Stand: 21.10.2019 21:20 Uhr

Spannende Funde im 2.000 Jahre alten Bohlenweg

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) hat die archäologische Grabungsstätte im Landkreis Diepholz am Montag besucht.

Ein hölzernes Denkmal aus entfernter Vergangenheit muss weichen: Eines der letzten Teilstücke des Bohlenwegs durch das Moor zwischen Diepholz und Lohne (Landkreis Vechta) wird entfernt, um Torfabbau und Renaturierung zu ermöglichen. Bevor er verschwindet, untersuchen Archäologen den 2.000 Jahre alten Verkehrsweg mit dem wissenschaftlichen Namen Pr 6. Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) informierte sich am Montagnachmittag an der Grabungsstätte im Landkreis Diepholz über den Stand der Arbeiten - und die Forscher haben durchaus Spannendes zu berichten.

Neue Erkenntnisse zum Wagenbau der Germanen

Die Wissenschaftler haben ein kleines, unscheinbar wirkendes Stück Holz gefunden, das sich bei genauerer Betrachtung als ein gezielt bearbeiteter technischer Gegenstand erwies. Wahrscheinlich, so glauben die Experten, war er Teil eines Wagens und diente zur Befestigung des Wagenkastens. Damit liefert der Fund weitere Erkenntnisse darüber, wie die Germanen ihre Wagen bauten. Außerdem stießen die Archäologen auf etwa 80 Zentimeter lange exakt gearbeitete Stäbe. Dies könnten Messstäbe sein, die ebenfalls beim Wagenbau verwendet wurden. Und das sei hoch interessant, sagte Marion Heumüller vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege: Dass die Römer schon Messstäbe hatten, wusste man - nicht aber, dass auch Germanen in vorrömischer Zeit solche Instrumente benutzten.

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Einer der weltweit längsten Bohlenwege

Der vier Kilometer lange Bohlenweg zwischen Diepholz und Lohne gilt als einer der weltweit längsten. Schon der Verlauf des Holzwegs sei ungewöhnlich, sagte Archäologin Heumüller: Üblicherweise gingen die Wege durch die engste Stelle des Moores, dieser jedoch nehme einen anderen, einen diagonalen Verlauf. "Warum, wissen wir noch nicht", so Heumüller. Die Forscher haben von den Holzbohlen Proben genommen. Deren Auswertung soll Rückschlüsse zum Beispiel auf die Umweltbedingungen und die Art der Bewirtschaftung der Wälder vor 2.000 Jahren ermöglichen.

Ein kleines Stück bleibt im Moor

Was die Wissenschaftler etwas schmerzen dürfte: Nicht alles, was vom Bohlenweg übrig ist, kann erhalten werden. Es ist, einfach ausgedrückt, zu viel Holz. Einige der Bohlen will das Industriemuseum in Lohne mithilfe einer speziellen Konservierungsanlage für Moorhölzer bewahren. Vor Ort im Moor soll später eine Rekonstruktion in Form einer ein Kilometer langen "Moorloipe" zu einer Aussichtsplattform führen. Von dieser aus soll ein Stück naturbelassene Moorfläche zu überblicken sein - und dort bleibt auch ein Stück des Original-Bohlenwegs, sodass das kulturhistorisch bedeutende Bauwerk nicht vollständig verschwindet. Ansonsten aber soll auf der Fläche Torf abgebaut und anschließend das Gelände wieder vernässt werden, um das abgebaute Moor zu renaturieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 21.10.2019 | 07:30 Uhr

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