Stand: 12.04.2012 13:46 Uhr

Spanier sollen Unternehmen im Emsland retten

von Hedwig Ahrens, NDR 1 Niedersachsen
Spanier im Deutschunterricht. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
Nach ihrem Deutschkurs können sich die Spanier einige Ausbildungsbetriebe anschauen.

Nicht erst seit dem neuen Demografiekonzept der Landesregierung ist klar: Niedersachsen gehen die Fachkräfte aus. So hat im Emsland bereits jeder dritte Betrieb extreme Nachwuchssorgen bei den Auszubildenden. Junge Menschen aus Murcia im Südosten Spaniens sollen dem nasskalten Norden nun zu Hilfe eilen. Und die Jugendlichen schreckt offenbar weder das schlechtere Wetter noch die große Entfernung. Denn in Spanien steht jeder zweite von ihnen auf der Straße und sucht Arbeit.

Kampf um Ausbildungswillige

Direkt am Dörpener Bahnhofs-Ausgang wirbt die Firma Husmann um Auszubildende. Vor dem grauen Frühlings-Himmel listet eine große Tafel die freien Ausbildungsplätze auf: Technische Produktdesigner, Bürokauffrauen, aber auch Elektroniker und Mechatroniker sucht das Unternehmen, das Entsorgungsbetriebe im In- und Ausland zum Beipiel mit Papierpressen ausstattet. Um die wenigen Ausbildungswilligen im Emsland ist ein regelrechter Kampf ausgebrochen, klagt Geschäftsführer Heinz-Hermann Husmann.

Große Unternehmen schnappen Azubis weg

"Wir haben natürlich das Problem, dass einige große Unternehmen hier im Emsland ansässig sind", so Husmann. "Ich sehe Meyer Werft, ich sehe Nordland Papier, ich sehe Krone - da haben mittelständische Betriebe immer das Nachsehen." Die großen Betriebe verfügten über Ausbildungswerkstätten und erreichten die potentiellen Azubis an den Schulen früher, als die mittelständischen Firmen. Deshalb will Husmann seinen Betrieb nun einem Praktikanten aus Spanien schmackhaft machen: David Martinez Sanchez.

"In Spanien gibt es keine Zukunft"

David Martinez Sanchez ist einer von insgesamt 14 Spaniern, die seit dieser Woche in Papenburg zunächst einen Sprachkurs besuchen und sich dann einen Ausbildungsbetrieb anschauen können. "In Spanien gibt es keine Zukunft", sagt er. Es gebe zwar Arbeit, aber nur wenig. Der 20-Jährige tausche seinen Job in einem spanischen Supermarkt gerne gegen die Chance auf einen Ausbildungsplatz bei Husmann.

12.000 neue Stellen bis 2025

Perspektivlosigkeit in Spanien und freie Stellen in Deutschland: Die Unternehmergemeinschaft Wachstumsregion Ems-Achse will mit den Spaniern dauerhaft Fachkräfte ins Emsland holen, sagt deren Geschäftsführer Dirk Lüerßen. "In der Wachstumsregion Ems-Achse haben wir bis 2025 die Prognose, dass drei Prozent zusätzliche Stellen geschaffen werden. Das sind rund 12.000 neue Stellen." Man brauche in diesem Zeitraum aber sogar insgesamt mehr als 20.000 Menschen für den Arbeitsmarkt, da die Bevölkerung sinke.

"Damit es überhaupt weitergehen kann"

Heinz Konken vor seinem Betrieb. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
Heinz Konken nimmt ebenfalls einen Spanier als Auszubildenden auf.

Da die Idee mit den Spaniern aus der Samtgemeinde Sögel stammt, werden allein dort fünf der 14 Gäste unterkommen. Heinz Konken bildet dort in seinem Familienbetrieb Lehrlinge zum Elektriker und Heizungsbauer aus. Ob der ihm zugewiesene Spanier auch nach seiner Ausbildung in der Gemeinde bleibt? Da hat der Meister seine Zweifel. Nicht nur wegen der Sprache. "Wir sind hier in einer ländlichen Gegend, wo man auch noch Plattdeutsch spricht. Trotzdem soll es ein Versuch sein. Ich habe zwar lange gezögert, aber irgendwas muss passieren, damit es überhaupt weitergehen kann."

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 12.04.2012 | 14:00 Uhr

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