Stand: 22.07.2020 14:17 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Sögel: Millionen Euro für eine Handvoll Güterzüge?

Bislang wird die sanierte Strecke zwischen Lathen und Werlte kaum befahren. (Archivbild)

Die umstrittene Bahnstrecke zwischen Lathen und Werlte wird nach ihrer zehn Millionen Euro teuren Sanierung weiter ausgebaut. Wie der Landkreis Emsland mitteilte, soll in der Gemeinde Sögel für 2,6 Millionen Euro eine Ladeanlage für den Güterverkehr errichtet werden. Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) unterstützt das Projekt mit 1,85 Millionen Euro. Die verbleibenden Kosten in Höhe von 650.000 Euro teilen sich der Landkreis Emsland und die Gemeinde Sögel. Bauträger ist die Emsländische Eisenbahn GmbH (EEB).

Landrat sieht Potenzial für Nutzung

Der Bau der Ladeanlage soll noch in diesem Jahr beginnen und 2021 abgeschlossen werden. Geplant ist ein Umfahrungsgleis von rund 500 Metern Länge einschließlich einer parallel geführten Ladestraße östlich des Bahnhofs Sögel. Nach Angaben einer Sprecherin können hier die Waggons der Güterzüge be- und entladen werden - zum Beispiel mit Schüttgütern wie Kies oder auch Holz. "Mit den Wirtschaftsunternehmen an der Strecke ist ganz klar ein Potential für die Nutzung dieser Infrastruktur vorhanden", sagte Landrat Marc-André Burgdorf (CDU). "Hier ist von den ansässigen Unternehmen während aller Abstimmungsgespräche immer Bereitschaft für eine Nutzung signalisiert worden. Der Bau einer Ladeanlage vervollständigt nun das bestehende Angebot für den Gütertransport auf der Schiene."

Weitere Anlage in Werlte geplant

In Kürze soll auch noch eine Verladeanlage in Werlte eingerichtet werden. Für sie ist ebenfalls von der EEB ein Förderantrag bei der Landesnahverkehrsgesellschaft gestellt worden. Der Zuwendungsbescheid wird in den nächsten Wochen erwartet. Der Baubeginn ist ebenfalls für dieses Jahr geplant.

Bund der Steuerzahler kritisiert die Maßnahmen

Der Bund der Steuerzahler übt aufgrund der geringen Nutzung der Bahnstrecke heftige Kritik an den Ausbaumaßnahmen. In den vergangenen zwei Jahren seien dort lediglich sieben Güterzüge gefahren, sagte ein Sprecher gegenüber dem NDR. Zudem geben es keine verbindlichen Nutzungszusagen von Unternehmen. Das Projekt gleiche daher einem Lotteriespiel, bei dem die örtlichen Akteure auf den großen Gewinn hoffen, die Allgemeinheit der Steuerzahler allerdings den Lottoschein bezahlt. Bereits die Sanierung der Strecke zwischen Lathen und Werlte hatte der Bund der Steuerzahler als "Millionengrab" bezeichnet.

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