Shoppen mit Schnelltest? Osnabrück will Einzelhandel öffnen

Stand: 17.03.2021 19:09 Uhr

Die Stadt Osnabrück will ihre Geschäfte öffnen - trotz hoher Inzidenzwerte. Ein Konzept mit Corona-Schnelltests soll das möglich machen. Das Land will solche Lockerungs-Perspektiven prüfen.

Das für Mittwoch geplante Gespräch zwischen Vertretern der Stadt Osnabrück und dem Land Niedersachsen über ein mögliches Öffnen des Einzelhandels ist aber zunächst einmal verschoben worden. Das teilte die Leiterin des Osnabrücker Krisenstabs mit. Die Stadt schlägt vor, dass Menschen mit einem negativen Corona-Schnelltest die Läden betreten dürfen - vorausgesetzt, das Ergebnis ist nicht älter als zwölf Stunden. Auch für den Zoo kann sich die Stadt so eine Öffnung vorstellen. In Osnabrück liegt die Sieben-Tage-Inzidenz seit Freitag über dem Wert von 100, aktuell am Mittwoch sogar bei 152,5.

Staatskanzlei: "Vorschläge aus Osnabrück werden geprüft"

Die Landesregierung habe die Pläne Osnabrücks und anderer Kommunen mit großem Interesse entgegengenommen, hieß es aus der Staatskanzlei. In der kommenden Woche solle nach den Bund-Länder-Gesprächen, die am Montag stattfinden, über eine Fortschreibung der Corona-Verordnung beraten werden. "Dabei werden auch die Vorschläge aus Osnabrück und anderen Städten konstruktiv geprüft", so die Staatskanzlei.

Koalition diskutiert Öffnungsklausel

"Das ist ein interessanter Ansatz", sagte auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Mittwoch im Landtag zu dem Osnabrücker Vorstoß. Laut Vize-Regierungschef Bernd Althusmann (CDU) diskutiere die Koalition eine Öffnungsklausel, die sich auf Schnelltests stützt. Denkbar sei eine Experimentierklausel, so Althusmann.

Gibt es für Öffnungen einen neuen Wert?

Althusmann hatte bereits vorgeschlagen, den Inzidenzwert zu einem sogenannten gewichteten Risikowert weiterzuentwickeln, der auch Faktoren wie die Kapazität der Krankenhäuser und den Einfluss regionaler Hotspots berücksichtigt. So sollten Öffnungsperspektiven geschaffen werden. Weil hatte das bis dato abgelehnt.

Weitere Kritik am Inzidenzwert

FDP-Fraktionschef Stefan Birkner der CDU-Abgeordnete Volker Meyer kritisierten ebenfalls das starre Festhalten am Inzidenzwert als Grundlage für Lockerungen. Differenzierte Kriterien seien der richtige Weg, betonte Birkner. Meyer sagte, eine Gesamtbetrachtung könne zu Öffnungsperspektiven führen, damit die Niedersachsen nicht nur auf Mallorca, sondern auch im Harz, der Heide und an der Küste Urlaub machen könnten.

Die kommunalen Spitzenverbände riefen den Ministerpräsidenten zu einem Strategiewechsel in der Corona-Politik auf. Ziel sollten einfache, klare, wirksame und kontrollierbare Einschränkungen statt eines Verordnungswirrwarrs sein, hieß es in einem gemeinsamen Schreiben von Landkreistag, Städtetag und Städte- und Gemeindebund.

Gesundheitsministerin verweist auf Infektionslage

Die Gesundheitsministerin hingegen verteidigte im Landtag ihren Corona-Kurs: "Ein anderer Weg ist derzeit nicht möglich", sagte Daniela Behrens (SPD) und verwies auf die Infektionslage. 80 Prozent der sofort einsetzbaren Intensivbetten seien bereits belegt. "Das Infektionsgeschehen wird nicht besser, weil wir eine andere Zahl zur Grundlage nehmen."

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Dieses Thema im Programm:

Regional Osnabrück | 17.03.2021 | 15:00 Uhr

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