Stand: 09.11.2017 15:57 Uhr

Schüler erforschen Geschichte von NS-Opfern

Geschichte zum Anfassen - das erleben Schüler der Anne-Frank-Schule in Meppen: Sie helfen dabei, die Identität von zahlreichen Opfern des Zweiten Weltkriegs, die auf Lagerfriedhöfen im Emsland namenlos verscharrt wurden, aufzuklären. Für das vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen unterstützte Projekt recherchieren die Schüler nach den Namen sowjetischer Kriegsgefangener, die in Lagern im Emsland inhaftiert waren und dort gestorben sind. Schätzungen gehen von mehr als 20.000 Opfern aus.

Ziegeltafeln für Kriegsgefangene im Emsland

160 Identitäten erforscht

Die Arbeit der Schüler beschränkt sich nicht auf die Recherche in Ordnern und Datenbanken - sie sorgen auch konkret dafür, dass die Namen der Opfer am Massengrab öffentlich werden. Wenn sie die Identität zuordnen können, ritzen sie die Daten auf eine rote Ziegeltafel ein, die anschließend an der Gräberanlage als Namenstafel aufgestellt wird. 160 Identitäten haben die Schüler bislang erforscht.

Schulleiterin lobt Projekt

Annette Guba, Leiterin der Anne-Frank-Schule in Meppen, stellt die konkrete Herangehensweise des Projekts heraus. Vieles, was mit dem Zweiten Weltkrieg und der Nazizeit zu tun habe, sei für Schüler wenig greifbar. Anders in diesem Fall: "Durch dieses Projekt, wo sie wirklich an Einzelschicksalen arbeiten, wissen sie nachher: das ist einem passiert, der ist vielleicht nur fünf, sechs, sieben Jahre älter gewesen als ich", sagt Guba.

Schüler erstellen Biografie von Kriegsgefangenen

Die Schüler "profitieren" bei ihrer Recherche von der Akribie der deutschen Wehrmacht. Für jeden Kriegsgefangenen wurde nach Angaben der Gedenkstätte Esterwegen eine Kartei mit den entsprechenden Daten geführt. Die Schüler suchen diese raus, sortieren sie und versuchen eine kleine Biografie zu finden. "Wir sehen es als humanitäre Aufgabe der Einrichtung Gedenkstätte Esterwegen an, den sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Massengräbern ruhen, den Namen zurück zu geben", betont Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin der Gedenkstätte Esterwegen. Unzählige Personalakten aus russischen Archiven müssten dafür untersucht werden und den insgesamt 15 Lagern im Emsland und in der Grafschaft Bentheim zugeordnet werden. Da sei eine "mühsame Arbeit", so Kaltofen.

Projekt zieht Kreise

Das Schülerprojekt zieht bereits weitere Kreise: Neben der Meppener Oberschule erstellt jetzt auch das Gymnasium in Haren (Ems) Namenstafeln: Sie sollen an Stelen auf dem Lagerfriedhof Oberlangen an sowjetische Kriegsgefangene erinnern.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 08.11.2017 | 13:30 Uhr

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