Stand: 12.08.2019 21:13 Uhr

Ölbohrstelle: Dea will Lagerstättenwasser abpumpen

Die neuen Probebohrungen sollen Aufschluss über das Ausmaß der Schäden und der Gefährdung geben.

Erdölproduzent Wintershall Dea will das ausgetretene Lagerstättenwasser an der Ölförderstätte Emlichheim (Landkreis Grafschaft Bentheim) aus dem Untergrund pumpen. "Wir werden das Lagerstättenwasser aus den tiefen Grundwasserbereichen wieder entfernen", sagte Dirk Warzecha, Leiter der Wintershall Dea Deutschland, am Montag bei einem Treffen. Dabei waren unter anderem das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der Landkreis Grafschaft Bentheim und der Samtgemeinde Emlichheim in Nordhorn.

Ölbohrmaschinen stehen in der Natur.

Emlichheim: Leck an Ölbohrstelle

Hallo Niedersachsen -

Millionen Liter Lagerstättenwasser sind auf einem Erdölfeld in Emlichheim unbemerkt ausgetreten - über Jahre. Angeblich besteht für die Menschen in der Region keine Gefahr.

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Bürgermeisterin: Firmen besser überwachen

Daniela Kösters (parteilos), Samtgemeindebürgermeisterin von Emlichheim, forderte das Land Niedersachsen indes dazu auf, die Erdölproduzenten besser zu überwachen. Es sei schwer zu verstehen, dass das Leck in der Bohrung über vier Jahre hinweg nicht aufgefallen sei.

Wie gefährlich ist das Lagerstättenwasser?

Ende Juli war bekannt geworden, dass an dem Erdölbohrfeld des Unternehmens bis zu 220 Millionen Liter Lagerstättenwasser ausgetreten waren. Zwischen 2014 und 2018 entwich das Wasser aus einem durch Rost beschädigten Rohr. Seit Herbst 2018 ist die Bohrung außer Betrieb. Hinweise auf Undichtigkeiten wurden seit dem Frühjahr untersucht.

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Emlichheim: Lagerstättenwasser ausgelaufen

29.07.2019 19:30 Uhr
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Dea will "Schaden vollständig sanieren"

"Es ist unser Sanierungskonzept, dass wir das Lagerstättenwasser wieder zurück fördern", sagte Dea-Chef Warzecha. Erste Schritte seien schon unternommen worden. Eine Sondierungsbohrung, die derzeit parallel zu der defekten Bohrung vorgenommen wird, solle auch zum Abpumpen des Lagerstättenwassers dienen. Notwendig seien aber auch weitere Bohrungen. Dazu müsse aber das Ausmaß des Schadens noch weiter untersucht werden. Ziel sei es, den Schaden vollständig zu sanieren.

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Keine Untersuchung nach Auffälligkeit in 2015

Einen solchen Schaden dürfe es in "unserem Unternehmen nicht geben", sagte Warzecha weiter. Der Schutz der Umwelt und der Menschen habe Priorität. Die Ursachen der Panne sollten auch intern aufgearbeitet werden. Er räumte ein, dass es bereits 2015 Auffälligkeiten bei Druckmessungen an der Bohrstelle gegeben habe. Warum es aber damals keine genauere Untersuchung gab, müsse noch geklärt werden.

Lagerstättenwasser

  • Lagerstättenwasser entsteht bei der Förderung von Erdöl. Bei den Bohrungen in Emlichheim besteht es aus Wasser, gelösten Salzen, Resten von Kohlenwasserstoffen und geringen Mengen Schwermetall.
  • Nach Angaben von Andreas Sikorski, Präsident des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), besteht keine akute Gefahr für die Menschen in der Region. Im Abstrombereich der Bohrung werde kein Trinkwasser gewonnen, teilte das LBEG mit.

LBEG: "Keine Gefahr für Mensch und Umwelt"

Laut LBEG-Abteilungsleiter Klaus Söntgerath besteht nach jetzigem Kenntnisstand keine Gefahr für Mensch und Umwelt. Es sei eine noch intensivere Beprobung des oberflächennahen Grundwassers und des Oberflächenwassers beschlossen worden. Künftig sollten alle vier Wochen Untersuchungen stattfinden. Das Landesbergamt werte derzeit Daten von Bohrungen in ganz Niedersachsen aus, um einen ähnlichen Schaden wie in Emlichheim ausschließen zu können. Es gebe in vielerlei Hinsicht noch großen Aufklärungs- und Untersuchungsbedarf, sagte Söntgerath. Von Dea Wintershall fordert das LBEG bis Ende August ein Konzept für ein erweitertes Monitoring mit zusätzlich Messstellen.

Dorothea Altenhofen, Leiterin der NLWKN-Geschäftsstelle Meppen, sagte ebenfalls, dass nach jetzigem Stand eine Gefahr für Menschen ausgeschlossen sei. Die Fachbehörden hielten ein weitergehendes Messprogramm für erforderlich, um die weitere Entwicklung besser einschätzen zu können.

Noch weitere beschädigte Rohre

Grund für das Austreten des Lagerstättenwassers seien Rost-Schäden an einem Rohr in einer Tiefe von mehr als 150 Metern. Ähnliche Schäden gibt es auch an einer weiteren Bohrstelle - allerdings deutlich tiefer. Laut LBEG gibt es bisher aber keine Hinweise darauf, dass dort ebenfalls Lagerstättenwasser ausgetreten ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.08.2019 | 07:30 Uhr

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