Stand: 16.07.2020 16:55 Uhr

Naturschutz am Dümmer? Kreistag stimmt dagegen

Luftaufnahme des Sonnenaufgangs über dem Dümmer See. © Nordwest Media TV
Teile der Dümmerregion stehen bereits unter Schutz; sie ist eine der bedeutendsten Vogelschutzgebiete Europas (Themenbild).

Der Kreistag von Vechta hat sich gegen Naturschutz-Pläne der Landesregierung am Dümmer ausgesprochen. CDU und FDP in Vechta lehnten am Mittwoch das Vorhaben mit großer Mehrheit ab, in der westlichen Dümmerniederung ein 330 Hektar großes Naturschutzgebiet einzurichten. Die Abgeordneten folgten damit den Argumenten der betroffenen Landwirte, die wirtschaftliche Einbußen befürchten. Das letzte Wort hat jetzt die Landesregierung. Umweltminister Olaf Lies (SPD) kann das Schutzgebiet anordnen.

Gebiet ist bereits EU-Vogelschutzgebiet

Teile der Dümmerregion stehen bereits unter Schutz; sie ist eine der bedeutendsten Vogelschutzgebiete Europas. Bei dem nun betroffenen Gebiet handelt es sich bereits um ein EU-Vogelschutzgebiet. Die Kreisverwaltung als Untere Naturschutzbehörde hatte vorgeschlagen, dieses zum Naturschutzgebiet zu erklären. Hintergrund ist ein Projekt der EU mit dem Namen "Natura 2000". Dabei handelt es sich um ein länderübergreifendes Netz von Naturschutz-Gebieten, durch das die Lebensräume heimische Tier- und Pflanzenarten geschützt werden sollen. Die westliche Dümmerniederung ist eines von 88 Schutzgebieten, bei deren Ausweisung das Land Niedersachsen schon seit Jahren hinterherhinkt. Das Land hatte zuvor die Landkreise aufgefordert, die betroffenen Areale bis Mitte Oktober als Naturschutzgebiete auszuweisen, weil dem Land sonst Strafen drohen.

NABU beklagt "monetäre Gründe"

Naturschützer kritisierten die Entscheidung. Die Region verweigere sich damit dem Naturschutz, sagte Ludger Frye, Kreisvorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) Vechta. CDU und FDP hätten nur aus "monetären Gründen" so entschieden. Eine Ausweisung des Areals als Naturschutzgebiet würde den Lebensraum zahlreicher bedrohter Vogelarten sichern. Frye betonte, dass Deutschland rechtlich verpflichtet sei, das schon 2003 ausgewiesene Vogelschutzgebiet besonders zu schützen, sonst drohten Strafzahlungen. Eine Ausweisung nur als Landschaftsschutzgebiet reiche nicht aus.

Landrat will Umweltministerium einschalten

Vechtas Landrat Herbert Winkel (CDU) will nun das Umweltministerium als Fachaufsicht einschalten. Dies hatte er bereits vor der Abstimmung angekündigt. Wann das Umweltministerium sich mit dem Fall befasst, ist nicht bekannt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 16.07.2020 | 08:30 Uhr

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