Stand: 10.12.2018 18:30 Uhr

Nach Moorbrand: Bundeswehr will Waffen testen

Der Moorbrand auf dem Gelände der WTD 91 nahe Meppen hatte im September ganz Norddeutschland in Atem gehalten.

Die Bundeswehr will wieder den Einsatz von Schusswaffen auf der wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 nahe Meppen erlauben. Bereits im Januar soll auf dem Gelände, wo im September der durch Raketentests verursachte Moorbrand ausgebrochen war, wieder geschossen werden. Dies hat die Bundeswehr dem Landkreis und angrenzenden Kommunen mitgeteilt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Start unter Vorbehalt

Der Schießbetrieb starte zunächst schrittweise mit kleinkalibrigen Waffen, sagte der Sögeler Samtgemeindebürgermeister Günter Wigbers (CDU) dem NDR. Damit sollen Handfeuerwaffen gemeint sein. Alles stehe laut Bundeswehr unter dem Vorbehalt eines neuen Brandschutzkonzeptes. Dass das besser sein müsse als bisher, hätten die Vertreter der Kommunen und des Kreises der Bundeswehr deutlich gemacht, sagte Wigbers. Wie das Konzept genau aussehen soll, wann es fertig ist und wer das Konzept überprüft, ist unklar. Vom Landkreis Emsland hieß es, es müsse sichergestellt sein, dass die WTD für die Brandbekämpfung personell und materiell gut ausgestattet sei. Auch solle sie mit den Ortsfeuerwehren und dem Landkreis zusammenarbeiten. Nach Angaben eines Bundeswehr-Sprechers entscheidet das Bundesverteidigungsministerium über die Erteilung der Schießfreigabe.

Kritik von den Grünen

Die Grünen im Landtag kritisieren die Wiederaufnahme der Waffentests. Der Abgeordnete Christian Meyer verwies darauf, dass der Moorbrand noch nicht lückenlos aufgearbeitet sei und etwa das Ausmaß der Umweltschäden noch nicht beziffert sei. "Die Bundeswehr hat den Schuss nicht gehört", sagte Meyer der "Neuen Osnabrücker Zeitung" und forderte Konsequenzen für die Verantwortlichen.

Moorbrand nahe Meppen

  • Der Moorbrand war am 3. September 2018 durch Raketentests auf dem Gelände ausgebrochen.
  • Auf dem durch monatelange Dürre ausgetrockneten Moor breitete er sich insgesamt auf einer Fläche von etwa zwei mal vier Kilometern aus.
  • Tagelang zog eine Rauchfahne über das nordwestliche Emsland, selbst im über 100 Kilometer entfernten Bremen war sie zu sehen.
  • Zwischenzeitlich kämpften bis zu 2.000 Einsatzkräfte gegen das Feuer. Einige Tage lang drohte gar die Evakuierung zweier Ortschaften, für mehrere Tage wurde der Katastrophenfall ausgerufen.
  • Am 10. Oktober verkündete die Bundeswehr, dass der Brand gelöscht sei.

Ermittlungen: Ergebnis Mitte Januar?

Meyer, ehemaliger niedersächsischer Landwirtschaftsminister, hatte Mitte September Strafanzeige gegen Verantwortliche der Bundeswehr gestellt. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt seitdem wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung. Mit einem Ergebnis sei voraussichtlich nicht vor vor Mitte Januar zu rechnen, sagte Staatsanwalt Lennart Jacobs NDR.de am Montag. Eine Aufarbeitung des Moorbrandes hat das Verteidigungsministerium angekündigt. Ein Sprecher hatte im Oktober gesagt, dass die Ergebnisse "bestimmt noch in diesem Jahr" vorliegen werden. Ob das Ministerium diesen Termin halten kann oder die Ergebnisse erst später veröffentlicht werden, ist nicht bekannt.

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Kommunen sehen Bundeswehr als wichtigen Partner

Die Kommunen stellen die Wiederaufnahme des Schießbetriebs offenbar nicht in Frage. Nach Angaben des Sögeler Bürgermeisters Wigbers sähen sie die Wehrtechnische Dienststelle als wichtigen Partner in der Region. Die Meppener Dienststelle übernehme Aufgaben von nationalem Interesse: Sie kümmere sich darum, dass die Bundeswehr sicher ausgerüstet und ausgestattet werde, sagte Wigbers.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.12.2018 | 12:00 Uhr

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