Ein auf der Jacke einer Polizistin aufgebrachter Aufnäher zeigt das Wappen der niedersächsischen Polizei. © Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Morddrohungen: Hausarzt aus Wallenhorst unter Polizeischutz

Stand: 04.08.2021 17:52 Uhr

Ein Hausarzt und dessen Praxisteam aus Wallenhorst (Landkreis Osnabrück) stehen nach Morddrohungen unter Polizeischutz. Der Arzt hatte eine Impfverweigerin nicht weiter behandeln wollen.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) stellt sich nun hinter den Hausarzt. Der Hass gegen den Arzt transportiere im Kern faschistoides Gedankengut, so der DGB. Auch die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) steht dem Hausarzt zur Seite, sagte der Osnabrücker Bezirksvorstand Uwe Lankenfeld. "Ich bin bestürzt, dass dem Kollegen in Wallenhorst Polizeischutz gegeben worden ist aufgrund von Morddrohungen oder Bedrohungen und Beschimpfungen seiner Mitarbeiter. Das ist kriminell", sagte Lankenfeld.

Arzt: Impfverweigerer gefährden Personal

Der Mediziner hatte einer Frau ein Rezept verweigert, weil diese sich skeptisch gegenüber Corona-Impfungen geäußert habe. Gegenüber dem NDR in Niedersachsen begründete der Mann die Entscheidung, die er im Team gefällt habe, mit dem Schutz seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Ärztekammer in Niedersachsen (ÄKN) hatte daraufhin angekündigt, den Fall zu überprüfen. Gegenüber von Pressevertretern hatte die Patientin vor wenigen Tagen geäußert, der Arzt wolle sie nicht mehr behandeln, weil sie sich wegen eines Kinderwunsches nicht impfen lassen wollte. Der Arzt verwies auf seine Schweigepflicht. Ein gestörtes Vertrauensverhältnis sei allerdings ein legitimer Grund, ein Arzt-Patienten-Verhältnis zu beenden.

Polizei: "Das ist keine Form der Meinungsfreiheit"

Der Arzt berichtet, er bekomme mehrere Nachrichten per Telefon und E-Mail im Stundentakt. "Ich habe nicht damit gerechnet, wie wir inzwischen in dieser Republik miteinander umgehen", sagte er. Laut Polizei wurden gegen die Verfasser der Gewaltnachrichten von Amts wegen Ermittlungsverfahren eingeleitet. "Wir warnen ausdrücklich davor, sich dieser Form der Hasskriminalität anzuschließen. Das ist keine Form der Meinungsfreiheit", sagte eine Sprecherin.

Kassenärztliche Vereinigung prüft Beschwerde

Die KVN verurteilte die Gewaltandrohungen und Verunglimpfungen. Inzwischen liege eine Beschwerde einer Patientin über den Hausarzt vor. Nun prüfe die KVN im Rahmen ihrer Aufsichtspflicht, ob ein Verstoß gegen das Vertragsarztrecht vorliege. Demzufolge besteht eine Behandlungspflicht. "Dafür stehen uns definierte Verfahren zur Verfügung, nach denen wir vorgehen", sagte der stellvertretende KVN-Vorsitzende Jörg Berling am Mittwoch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 04.08.2021 | 15:00 Uhr

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