Stand: 25.09.2018 20:28 Uhr

Moorbrand: Suche nach unterirdischen Glutnestern

Oberirdische Feuer brennen auf der Moorfläche nahe Meppen nicht mehr, wie die Bundeswehr und der Landkreis Emsland mitgeteilt haben. Unter der Erde aber schwelt es weiter. Das bleibt eine der schwierigen Aufgaben: die unterirdischen Glutnester ausfindig zu machen, um sie zu löschen. Am Dienstagnachmittag sind erneut Tornado-Jets gestartet, um Wärmebilder vom Moorbrand auf dem Bundeswehr-Testgelände zu machen. Vor allem der Vergleich zu den Aufnahmen vom Wochenende könne helfen, sagte Andreas Sagurna von der Bundeswehr: Er hoffe, auf den aktuellen Bildern zu entdecken, "dass ich den Brand weiter zurück ins Moor gedrängt habe und unter mir nichts mehr ist."

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Wie breitet sich ein Moorbrand aus?

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Noch keine Ergebnisse aus Aufklärungsflügen

Die Infrarotaufnahmen von Aufklärungsflügen am Wochenende waren am Dienstag veröffentlicht worden. Sie zeigen weiße Flecken auf schwarzem Untergrund: "An den weißen Stellen ist es wärmer als an den anderen", sagte Bundeswehrsprecher Michael Bertschick NDR.de. Ob es sich bei den weißen Flecken ausschließlich um Glutnester handelt, könne er nicht sagen, so Bertschick. Die Aufnahmen würden derzeit ausgewertet. Ergebnisse gebe es noch keine. Ein Geologe helfe bei der Einschätzung, in welcher Tiefe mögliche Glutnester liegen.

Eine Luftaufnahme zeigt ein von einem Moorbrand betroffenes Gebiet. © Bundeswehr Eine fusionierte Luftaufnahme zeigt ein von einem Moorbrand betroffenes Gebiet. © Bundeswehr

Doch keine Sprengungen auf dem Gelände

Eine offizielle Presseinformation der Bundeswehr sowie Angaben eines Sprechers der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 sorgten unterdessen am Dienstag zwischenzeitlich für Verwirrung. Demnach plante die Truppe "in den nächsten Tagen" Sprengungen von Munitionsresten auf dem Gelände - seit 1876 wird es für Schießübungen genutzt. Die Überreste aus früheren Tests müssten erst beseitigt werden, bevor die Feuerwehr den Bereich betreten könne, hieß es zunächst. Später folgte eine Korrektur: Es seien konkret keine Sprengungen geplant, teilte die Truppe dem NDR mit. In einem Info-Flyer heißt es kurz: "Aufgrund von Kampfmittelfunden sollte es in den nächsten Tagen zu mehreren gezielten Sprengungen kommen. Derzeit wird dies durch die Einsatzkräfte als nicht zweckmäßig erachtet."

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Löscharbeiten auf unbestimmte Zeit

Ein Ende der Löscharbeiten ist weiter nicht in Sicht. Mehr als 1.500 Einsatzkräfte versuchen derzeit noch, den Anfang September ausgebrochenen Brand, der auf zwölf Quadratkilometern Fläche schwelt, zu löschen. Seit Montag wurde die Zahl der Einsatzkräfte damit um rund 500 reduziert. "Derzeit ist leider noch nicht abzusehen, wie lange die Brandlöschung noch andauern wird", teilte die Bundeswehr am Dienstag mit.

Althusmann schlägt Medaille für Helfer vor

Die Bundeswehr will nach eigenen Angaben so schnell wie möglich so viele zivile Kräfte wie möglich durch bundeswehreigene Kräfte ersetzen. Der CDU-Landesvorsitzende und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann hat derweil vorgeschlagen, die Helfer mit einer Verdienstmedaille auszuzeichnen. Im Emsland sei ein großartiges bürgerschaftliches Engagement zu erleben, das die Menschen im ganzen Land zusammenschweiße, sagte der stellvertretende Ministerpräsident. Eine Moorbrand-Medaille zu stiften, solle ein deutliches Zeichen des Dankes für die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des THW, der Polizei, der Bundeswehr und der Verwaltung sein. Daher werde er sich in der Landesregierung für dieses Projekt einsetzen.

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Grüne wollen Daten zu Luftqualität

Die Gesundheit der Anwohner durch den Rauch ist laut Bundeswehr und Innenministerium nicht akut gefährdet. "Eine durch den Leiter der Einsatzkräfte beauftragte Luftmessung durch die Erkundergruppe des ABC-Zuges Landkreis Leer hat ergeben, dass derzeit durch die Rauchentwicklung keine Gesundheitsgefährdung besteht", heißt es auch von der Bundeswehr. Die grüne Landtagsfraktion fordert jedoch die Offenlegung der Messergebnisse. "Wir haben immer noch nicht die Daten erhalten, auch die Öffentlichkeit hat keinen Zugang dazu", sagte die Abgeordnete Imke Byl zu NDR 1 Niedersachsen.

Rakete von Airbus Helicopters abgefeuert

Wie jüngst bekannt wurde, ist der Brand nicht von der Bundeswehr selbst, sondern bei einer Schießerprobung mit einem Hubschrauber des Unternehmens Airbus Helicopters ausgelöst worden. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte einen entsprechenden Bericht des Militär-Blogs "Augengeradeaus". Der Flug sei im Rahmen eines Bundeswehr-Auftrags durchgeführt worden, hieß es weiter.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 25.09.2018 | 18:00 Uhr

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