Stand: 17.09.2018 14:30 Uhr

Moorbrand: Mehr als 500.000 Tonnen CO2 freigesetzt

von Marc Wichert

Seit nunmehr zwei Wochen brennt es auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 der Bundeswehr in Meppen - ausgelöst durch Waffentests. Hoch schlagen die Flammen nicht. Folgenreich ist der Brand dennoch. Es ist weniger ein offenes Feuer als vielmehr ein "Schwelen, ein Kokeln der Vegetation", wie ein Sprecher sagte. Der Grund liegt in der Tiefe. Das Gelände ist altes Moorgebiet, unter der Grasnarbe befindet sich Torf. Und wenn der abbrennt, werden große Mengen klimaschädliche Gase freigesetzt.

Die Feuerwehr im Einsatz in einer Moorlandschaft. © Bundeswehr

Moorbrand: THW hilft beim Löschen

Hallo Niedersachsen -

Die Bundeswehr bekommt den Brand in Meppen nicht allein unter Kontrolle. Kräfte des Technischen Hilfswerks helfen aus. 500.000 Tonnen CO2 wurden offenbar bereits freigesetzt.

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Bundeswehr bekommt Brand nicht unter Kontrolle

Auf dem Gelände der WTD 91 scheinen durch Waffentests ausgelöste Brände nicht unüblich. "Gerade bei einer extremen Trockenheit wie in diesem Sommer kann so etwas schon mal passieren", sagte ein Sprecher. Beim NABU hält man diese Aussage für etwas lapidar. Bei diesem Wetter hätte die Bundeswehr auf diese Tests verzichten müssen, so die Umweltschützer. Hat sie aber nicht, und so kokelt sich der Brand über Wochen durch die Torfschichten, und die Bundeswehr bekommt das Feuer nicht unter Kontrolle.

Bis zu 900.000 Tonen CO2 freigesetzt

Laut David Bracke, Sprecher der WTD 91 in Meppen, ist bislang eine Fläche von fünf Quadratkilomtern verbrannt. Seinen Angaben zufolge habe sich das Feuer bis in eine Tiefe von maximal einem Meter ausbreiten können. Nach Berechnungen von Felix Grützmacher vom NABU könnten somit bislang bis zu 900.000 Tonnen CO2 freigesetzt worden sein. "Wenn man davon ausgeht, dass das Feuer nicht überall einen Meter tief reichte, kommt man immer noch auf etwa 500.000 Tonnen", so der Moorexperte: So viel, wie 50.000 Bundesbürger oder etwa alle Emder zusammen im Schnitt pro Jahr verursachen.

Ein Drittel allen Kohlendioxids speichern Moore

Um den Brand unter Kontrolle zu bekommen, werden seit vergangenem Freitag über eine Pumpe 5.000 Liter Wasser pro Minute aus einem nahen Fluss über Schlauchleitungen auf das Gelände gepumpt, erklärt Bracke. Der Boden soll so nass werden, dass das Feuer keine Chance mehr hat, sich weiter auszubreiten. Doch auch bislang hat das Feuer ein "erhebliches Klimapotenzial" entfaltet, sagt NABU-Experte Grützmacher. "Da wurde in kürzester Zeit durch menschliche Fehler Kohlendioxid entlassen, das über Jahrtausende im Moor festgelegt wurde", sagt Grützmacher. Er wünscht sich bei der Bundeswehr mehr Sensibilisierung für das Thema, zumal das Gebiet Naturschutzgebiet sei. Zudem: Moore speichern eine erhebliche Menge an Kohlenstoff - laut NABU doppelt so viel wie alle Wälder auf der Erde zusammen. Etwa ein Drittel der terrestrischen Kohlenstoffvorräte lagert demnach in Mooren.

300 Einsatzkräfte wollen Ausbreiten des Brandes verhindern

WTD-Sprecher Bracke geht nicht davon aus, dass das Feuer noch in dieser Woche gelöscht werden kann. Vergangene Woche hieß es, so ein Moorband könne sich über Wochen hinziehen. Rund 300 Einsatzkräfte wollen jetzt vor allem verhindern, dass der bei Waffentests - Soldaten hatten von einem Hubschrauber aus Raketen abgefeuert - entstandene Brand auf umliegende Wälder übergreift. Auch im Landtag dürfte der Brand ein Nachspiel haben: Für die Grünen ist es absolut unverständlich, warum die Bundeswehr trotz der extremen Hitzeperiode Schießübungen abhalten dürfe. Jedem normalen Bürger sei es auch untersagt, in Waldgebieten ein offenes Feuer zu machen oder Zigaretten wegzuschmeißen.

Moorbrand bei Meppen: Mammutaufgabe für Helfer

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.09.2018 | 14:00 Uhr

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