Stand: 05.10.2018 15:32 Uhr

Moorbrand: Keine Luftmessdaten von der Bundeswehr?

Wie gesundheitsgefährdend war die Rauchwolke, die durch den Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen zwischenzeitlich über weite Teile Norddeutschlands gezogen ist? Und wurden überhaupt Messungen durchgeführt, als das Ausmaß des Qualms am größten war? Dem niedersächsischen Innenministerium liegen nach Angaben eines Sprechers "bis heute keine Messdaten vor, die auf eine akute Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung und der Einsatzkräfte hindeuten". Allerdings wisse auch das Ministerium nicht, welche Daten bei den Messungen überhaupt erhoben wurden, als die Rauchwolke am stärksten war. Das sagte am Freitag der für den Katastrophenschutz zuständige Referatsleiter Mirko Temmler aus dem Innenministerium. Seit mehr als einer Woche warte das Ministerium auf eine Rückmeldung von der Bundeswehr.

Bundeswehr lässt sich mit Antwort an Innenministerium Zeit

Am 27. September habe das Innenministerium bei der Bundeswehr nachgefragt, welche Messdaten bis zum 18. September erhoben worden sind, so der Referatsleiter. Daraufhin habe die Bundeswehr am 29. September geantwortet: Es werde geprüft, welche Daten erhoben worden sind und ob diese veröffentlicht werden können. Seitdem wartet die Landesregierung auf eine Antwort. "Wir drängen immer wieder darauf, unsere Fragen zu beantworten", sagte Temmler. Das Innenministerium sehe es kritisch, dass gerade in diesem Punkt eine Antwort so lange auf sich warten lasse.

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Zunächst nur Kohlenmonoxid gemessen

Die Bundeswehr und der Landkreis Emsland hatten stets verneint, dass es für Anlieger und Einsatzkräfte eine gesundheitliche Gefährdung gab. Die zuständige Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD) schrieb am 20. September: "Die in den vergangenen Tagen bereits durchgeführten Luftmessungen werden heute fortgesetzt, die Überwachung wird engmaschig durchgeführt." Das war einen Tag nach der pauschalen Entwarnung und drei Tage, nachdem die Qualmwolke ihre maximale Größe erreicht hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte es laut einem Bericht der "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) ab der Nacht vom 18. auf den 19. September nur Messungen von Kohlenmonoxid durch einen ABC-Zug der Feuerwehr aus Leer gegeben. War die Entwarnung für die Menschen also vorschnell ausgesprochen - und dann noch ohne Daten als rechtfertigende Grundlage?

Genauere Untersuchungen erst am 20. September

Genauere Prüfungen wurden einem detaillierten Ablaufplan der Messungen zufolge, der der NOZ vorliegt, tatsächlich erst am 20. September durchgeführt, als das Moor bereits seit 17 Tagen brannte. Untersucht wurden dabei etwa die Konzentration anorganischer Gase, flüchtiger Kohlenwasserstoffe TVOC, polycyclisch aromatischer Kohlenwasserstoffe PAK sowie von Staub, Schwermetallen und sprengstofftypischen Verbindungen. Die Ergebnisse blieben laut NOZ unveröffentlicht, sollen aber unter den Grenzwerten gelegen haben.

NRW half - aber erst später

Die Aussage über die Vortage beziehe sich auf "Messungen des Landkreises Emsland, bei dem das Land NRW entsprechend unterstützt hat", zitiert die NOZ einen Bundeswehr-Sprecher. Die Messungen eben jenes Landesamts für Natur,- Umwelt- und Verbraucherschutz in Nordrhein-Westfalen hatten aber erst am 22. September begonnen. Als eine Rechtfertigung für eine Entwarnung können diese Messungen dem Bericht zufolge also nicht herhalten, weil es sie schlichtweg nicht gegeben hat.

Landkreis verweist Vorwürfe von sich

Wie die Bundeswehr hatte auch der Landkreis Emsland am 19. September Entwarnung gegeben. Der Landrat hatte mitgeteilt, dass der Fachbereich "keine Gesundheitsgefährdung durch den Qualm" erkennen könne. Die Behörde wies die Vorwürfe am Donnerstagabend in einer Stellungnahme zurück. Laut NDR hat sich der Landkreis auf die Bundeswehr verlassen und die Lage ebenfalls als unbedenklich eingestuft, weil durch die Feuerwehr Leer Kohlenmonoxid als wichtiger Parameter in der Luft gemessen wurde. "Und der war unkritisch", sagte ein Landkreis-Sprecher dem NDR. "In enger Abstimmung zwischen dem Fachbereich Gesundheit und dem niedersächsischen Landesgesundheitsamt haben wir deshalb am 19. September deutlich gemacht, dass keine akute Gesundheitsgefährdung bestand", so Landrat Reinhard Winter. Die Bundeswehr will die Vorwürfe prüfen lassen, erklärte ein Sprecher dem NDR. Alle Messdaten sollen jetzt chronologisch zusammengestellt und veröffentlicht werden.

Grüne fordern Gesundheitscheck für Helfer

Nach dem Bericht der NOZ meldete sich am Abend noch Christian Meyer zu Wort, Niedersachsens Ex-Landwirtschaftsminister und brandschutzpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Seine Kritik ist deutlich: "Wir Grüne haben nachgefragt und die Herausgabe der Daten eingefordert und jetzt stellt sich heraus, dass es vom Ausbruch des Brandes am 3. September bis zum 19. September weder beim Landkreis, bei der Feuerwehr noch der Bundeswehr irgendwelche Messdaten gibt." Man erwarte von der Landesregierung eine Entschuldigung bei den Anwohnern und Rettungskräften für die Täuschung. Er fordert einen Gesundheitscheck für alle Kräfte, die im Einsatz waren.

Bundeswehr will Messdaten veröffentlichen

Die Bundeswehr kündigte an, alle Messdaten die es gibt, chronologisch aufzulisten und dann zeitnah zu veröffentlichen. Wann das sein wird, blieb allerdings unklar.

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Aktuell | 05.10.2018 | 12:00 Uhr

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