Stand: 19.09.2018 13:07 Uhr

Moorbrand: Ist Munition Gefahr für Einsatzkräfte?

Wie geht es weiter in der Region rund um Meppen, wo seit zwei Wochen ein Moorbrand Tausende Einsatzkräfte und Anwohner in Atem hält? Nach wie vor züngeln die Flammen, alle Maßnahmen zur Brandbekämpfung haben nicht zu einer Eindämmung des Feuers geführt. Und nun kommt ein weiteres Risiko hinzu, das zum Problem werden könnte: Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen liegt aus Kreisen der Bundeswehr zufolge möglicherweise Munition von Waffentests auf dem Gelände, die nicht gezündet wurde. Das Brandgebiet gilt offiziell als blindgängergefährdet. Die Feuerwehr werde aber nur am Rande des Brandherdes eingesetzt - die Gefahr für die Einsatzkräfte daher als niedrig eingeschätzt.

Informationspolitik der Bundeswehr kritisiert

Ein Feuerwehrsprecher kritisierte am Mittwoch allerdings, dass es kaum möglich sei, an Informationen von der Bundeswehr zu gelangen. Bei einer Lageanalyse am Dienstagabend war die Bundeswehr nach NDR Informationen bereits vom Krisenstab aufgefordert worden, besser über den Moorbrand zu informieren. Weder die Bundeswehr, auf deren Gelände der verheerende Großbrand wütet, noch der Landkreis Emsland oder die Samtgemeinde Sögel konnten sich heute bisher auf Nachfrage von NDR.de zum Stand der Dinge äußern. Man sei noch dabei, eine Lagebeschreibung zu erstellen, sagte eine Bundeswehrsprecherin. Dabei sind zahlreiche weitere Fragen offen: Wie kann verhindert werden, dass die Brände sich noch weiter ausbreiten? Und: Müssen eventuell doch Anwohner evakuiert werden?

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Hallo Niedersachsen

Moorbrand bei Meppen weitet sich aus

18.09.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Der seit zwei Wochen schwelende Brand auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen droht jetzt auf einen Wald überzugreifen. 250 weitere Einsatzkräfte bekämpfen das Feuer. Video (00:51 min)

Moorbrände bislang nicht zu löschen

Fakt ist: Die Brände lodern weiter, mehr als 1.000 Einsatzkräfte kämpfen bei Stavern, nördlich von Meppen, gegen ihre Ausbreitung. Einige Bäume haben bereits gebrannt, die Feuerwehr hat eine Wasserwand eingerichtet, um angrenzende Wälder vor dem Feuer zu schützen. Vor einem angrenzenden Waldstück wurden Wasserwerfer postiert und Schläuche verlegt. Mehr als 20.000 Liter Löschwasser werden pro Minute ins Moor gepumpt. "Man muss nun vor allem verhindern, dass der Brand auf Waldstücke übergreift", sagte ein Polizeisprecher am Morgen zu NDR.de. Ob diese Maßnahmen wirken, ist allerdings noch offen.

Evakuierung von Sögel zunächst verworfen

Während Munition möglicherweise unsichtbar im Boden liegt, ist die Rauchsäule über dem Außengelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 der Bundeswehr weithin sichtbar. Am Morgen flaute der Wind zwar ab, so dass der Rauch derzeit nicht weiter über das Land getrieben wird, sondern als Säule aufsteigt. Am Nachmittag soll der Wind allerdings Richtung Stavern drehen. Aktuell geht der Bürgermeister der Samtgemeinde Sögel zwar noch davon aus, dass keine Evakuierung nötig wird. Ob es dabei bleibt, ist angesichts der Wetterlage allerdings offen. In der Nacht zu Mittwoch hatte der Krisenstab bereits erwogen, die Ortschaften Stavern und Sögel zu evakuieren. Nach einer Telefonkonferenz mit dem Landkreis Emsland, der Samtgemeinde Sögel, der Polizeidirektion Osnabrück und dem Innenministerium wurden diese Pläne aber zunächst wieder verworfen. Seit der Nacht sind nun Messgeräte im Einsatz, die die Luftwerte im Moor und den angrenzenden Ortschaften dokumentieren. Mediziner haben die Ergebnisse ausgewertet und die Belastung für die Bevölkerung eingeschätzt - dabei waren laut Bundeswehr am Morgen keine kritischen Werte festgestellt worden.

Rauchwolke erreicht auch Bremen und Oldenburg

Die Flammen haben mittlerweile die Heideflächen in dem Gebiet erreicht. Der Qualm ist am Morgen unterdessen bis nach Bremen gezogen. Dort gingen nach Angaben eines Feuerwehrsprechers mehrere Hundert Notrufe wegen Brandgeruchs ein. Auch zu Sichtbehinderungen sei es in der Hansestadt gekommen.

Fenster und Türen zu im westlichen Niedersachsen

Im gesamten westlichen Niedersachsen sollten den Behörden zufolge bis Mittwochmittag Fenster und Türen geschlossen bleiben.

In den Stadtteilen Bremen-Nord und -Oslebshausen wurden die Anwohner am Dienstagabend aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Warnhinweise gelten nach wie vor auch für die Bewohner der Landkreise Oldenburg, Verden, Cloppenburg, Vechta und Diepholz - und damit fast für das gesamte westliche Niedersachsen. Am Mittwoch gab es in dieser Hinsicht zunächst Entwarnung: "Wir konnten die Warnung auf den Kreis Emsland eingrenzen", sagte ein Sprecher der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen.

Entstanden war das Feuer am 3. September bei einem Waffentest der Bundeswehr: Von einem Hubschrauber hatten Soldaten Raketen abgefeuert. Eigentlich hätte die Bundeswehr-Feuerwehr mit einer Löschraupe das Feuer nach dem Test gleich löschen sollen, doch die Löschraupe fiel aus und ein Ersatzfahrzeug war gerade in der Werkstatt.

Gigantische Mengen CO2 freigesetzt

Auch der Naturschutzbund (NABU) Emsland kritisiert, dass die Bundeswehr auf dem Gelände der WTD 91 bei derart trockenen Bodenverhältnissen überhaupt Munition getestet hat. Die Naturschützer rechnen mit 500.000 bis 900.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, die bislang in die Luft gelangt sind - so viel, wie 50.000 Bundesbürger zusammen im Schnitt pro Jahr verursachen.

Bundeswehr: "Kann schon mal passieren"

Die Bundeswehr weist die Kritik zurück. "Gerade bei einer extremen Trockenheit wie in diesem Sommer kann so etwas schon mal passieren", sagte ein Sprecher. Brände hätten immer recht schnell gelöscht werden können, so der Sprecher. Der Einsatz könne noch Wochen dauern, hieß es. Die Kostenregelung für die Löscharbeiten basiert nach Angaben eines Sprechers des WTD 91 auf dem Verwaltungsverfahrensgesetz. "Somit trägt die Bundeswehr die Kosten", sagte er NDR.de.

Weitere Informationen

Moorbrand: Mehr als 500.000 Tonnen CO2 freigesetzt

Seit zwei Wochen brennt es auf dem Bundeswehrgelände bei Meppen. Weil der Boden aus Torf besteht, sind laut NABU mehr als 500.000 Tonnen klimaschädliches Gas freigesetzt worden. mehr

Moorbrand: Bundeswehr gibt Versäumnis zu

Seit mehr als einer Woche brennt es auf dem Bundeswehrgelände in Meppen. Der Rauch zieht mittlerweile bis nach Oldenburg. Die Bundeswehr hat unterdessen Fehler eingestanden. )11.09.2018) mehr

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Moorbrand wird mit Hubschraubern bekämpft

Bei Meppen ist ein Moor in Brand geraten. Weil das Gebiet schlecht zugänglich ist, werden die Löscharbeiten zum großen Teil aus der Luft geführt. Video (00:26 min)

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Hallo Niedersachsen | 18.09.2018 | 19:30 Uhr

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