Stand: 21.09.2018 08:06 Uhr

Moorbrand: Gefahr für Menschen mit Vorerkrankungen

Welche Gefahr geht vom Moorbrand aus, der sich seit Anfang September auf dem Waffentestgelände WTD 91 der Bundeswehr bei Meppen ausbreitet und dessen Brandgeruch in bis zu 200 Kilometer Entfernung zu riechen ist? Die Bundeswehr hat dies bislang verneint: Durch den Qualm bestehe keine Gesundheitsgefährdung, betonte die Truppe. Mehrere Lungenärzte haben dem nun widersprochen. Durch den Schwelbrand sei eine "ungeheure Mengen an gasförmigen und partikulären Bestandteilen freigesetzt worden", sagte Klaus Rabe, Facharzt an der LungenClinic Grosshansdorf (Schleswig-Holstein), dem NDR Fernsehen.

Experte sieht Gefahr für Menschen mit Lungenerkrankungen

Die freigesetzten Partikel seien, insbesondere für Menschen, die Lungenerkrankungen haben, eine Gefährdung. Dies gelte für die unmittelbare Umgebung, aber aufgrund der Ausmaße der Rauchwolke "wahrscheinlich auch für Menschen in größerer Entfernung", sagte Rabe.

Schleimhäute reagieren auf Feinstaubbelastung

Eine "Gefahr für die Gesundheit" sieht auch Michael Barczok, Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner. Junge und gesunde Menschen seien weniger betroffen, für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen sei die Feinstaubbelastung aber ein "echtes Problem", sagte Barczok der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Betroffenen rät der Mediziner, notfalls vorübergehend zu Bekannten in einen anderen Ort ziehen. Anwohner sollten zudem besser Türen und Fenster geschlossen halten. Je nachdem, wie der Wind gerade stehe, sei es für sie so, als ob sie sich in einen komplett verräucherten Raum setzen, sagte Barczok der "NOZ". Schleimhäute würden auf die Feinstaubbelastung reagieren, ein Kratzen im Hals oder ein Hüsteln seien die Folge, erklärte der Lungenarzt.

Umweltministerium misst höhere Feinstaubbelastung

Das niedersächsische Umweltministerium hatte am Donnerstag mitgeteilt, dass an den Messstationen Südoldenburg und Oldenburg am Dienstag und Mittwoch etwas höhere Feinstaubwerte als normal gemessen wurden. Grenzwerte seien aber nicht überschritten worden, hieß es. Am Donnerstag seien die Feinstaubwerte an den Messstationen wieder unauffällig gewesen, so das Ministerium.

Grüne: Gesundheitliche Gefährdungslage im gesamten Nordwesten

Auch die Politik reagiert auf die Einschätzung der Ärzte: Landtagsvizepräsidentin Meta Janssen-Kucz (Grüne) sieht durch den Rauch eine gesundheitliche Gefährdungslage im gesamten Nordwesten. Das Land Niedersachsen müsse dringend klären, ob Kinder in Kitas und Schulen unbedenklich draußen sein können und Arbeitnehmer im Freien arbeiten können, sagte Janssen-Kucz der "NOZ". Dass die Bundeswehr behauptet, es gehe von der Rauchwolke keine Gefahr aus, sei "skandalös", so die Grünen-Politikerin gegenüber der Zeitung.

Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz

Das Feuer bei Meppen war Anfang September durch Raketentests der Streitkräfte ausgelöst worden. Eine Fläche von mehr als 1.000 Fußballfeldern ist mittlerweile betroffen, Hunderte Feuerwehrleute sind im Einsatz. Bis alle Glutnester erstickt sind, kann es nach Experteneinschätzung noch ein bis zwei Wochen dauern. Mittlerweile hat sich auch die Justiz eingeschaltet: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.09.2018 | 07:00 Uhr

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