Stand: 21.09.2018 21:39 Uhr

Moorbrand: Durchsuchung bei Bundeswehr in Meppen

Wegen drohender Sturmböen hat der Landkreis Emsland für mehrere Gebiete um das brennende Waffentestgelände der Bundeswehr bei Meppen den Katastrophenfall ausgerufen. Wenn sich der Moorbrand ausbreitet, könnten Rauch und Funkenflug die Gemeinden Groß Stavern, Klein Stavern und Sögel erreichen. Nach Angaben von Landrat Reinhard Winter (CDU) könne deshalb nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die rund 8.500 Bewohner evakuiert werden müssen. Auf dem Testgelände brennt seit mehr als zwei Wochen Torf, betroffen ist eine Fläche von rund acht Quadratkilometern. Auslöser für den Brand waren Raketentests der Bundeswehr. Staatsanwaltschaft Osnabrück und Polizei haben deshalb am Freitag das Gelände durchsucht. Sie ermitteln wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung.

Reinhard Winter, Landrat des Landkreises Emsland, im Interview mit dem NDR. © NDR

Landrat: "Wir müssen im Notfall evakuieren"

Im Kampf gegen den Moorbrand bei Meppen haben Behörden den Katastrophenfall ausgerufen. Reinhard Winter, Landrat des Landkreises Emsland, erklärt, wie es jetzt weitergeht.

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Ermittler wollen Ablauf des Raketentests prüfen

Die Durchsuchungen seien in Zusammenarbeit mit dem Leiter der dortigen Wehrtechnischen Dienststelle 91 vorgenommen worden. Die übergebenen Unterlagen sollten Aufschluss über den Ablauf der Schießübung geben und klären, ob gegen brandschutzrechtliche Schutzvorschriften verstoßen wurde. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte bereits bekannt gegeben, dass sie ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet hat. Seit dem 3. September brennt auf dem Gelände der Moorboden. Ursache ist laut Bundeswehr ein Raketentest an diesem Tag. Während der erste Brand wie geplant gelöscht worden sei, sei beim zweiten die Löschraupe wegen eines technischen Defekts ausgefallen. So hätte das Feuer nicht rechtzeitig gelöscht werden können und sei in tiefere Moorschichten vorgedrungen.

Von der Leyen entschuldigt sich und kündigt Besuch an

Erstmals hat sich am Freitag Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu dem Brand auf dem Bundeswehrgelände geäußert. Sie entschuldigte sich bei den Menschen in der Region und betonte, dass der Brand ein "ernster Vorfall sei, der so nicht passieren darf". Die Helfer "sollen jede Unterstützung der Bundeswehr bekommen, die sie benötigen", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Am Sonnabend reist die Ministerin nach Meppen. Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und sein Stellvertreter Bernd Althusmann (CDU) haben sich angekündigt.

Karte: Moorbrand - hier muss eventuell evakuiert werden
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Der Landkreis Emsland hat wegen des wochenlang andauernden Brand im Moor den Katastrophenfall ausgerufen. Bleibt das Wetter stürmig, müssen zwei Gemeinden evakuiert werden. Video (05:21 min)

Anwohner sollen Papiere einpacken, Bauern Futtervorräte prüfen

Der Landkreis sei gut vorbereitet und wolle durch den Katastrophenalarm keine Unruhe erzeugen. Die Anwohner sollten nur frühzeitig informiert sein und vorsorglich ihre wichtigsten Dokumente und benötigten Medikamente zusammenpacken. Beim Krisenstab in Meppen werden nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen Listen von kranken und hilfsbedürftigen Menschen zusammengestellt, um deren Transport im Ernstfall koordinieren zu können. Zudem fragt der Kreis nach Informationen des NDR Fernsehens bei den Landwirten nach, ob diese ausreichend Futter für ihre Tiere vorrätig haben. Für den Fall einer Evakuierung sollen die Bauern Zugang zu ihren Grundstücken bekommen, um Rinder und Schweine zu versorgen.

Messstationen überwachen Rauchbelastung

Ob tatsächlich evakuiert werden muss, sei noch unklar, so Landrat Winter. Die Entscheidung hänge vom Verlauf der Löscharbeiten und dem Wetter ab. Ein engmaschiges Netz an Messpunkten sei eingerichtet, um die Rauchbelastung permanent zu überwachen. Sollten die Ortschaften tatsächlich geräumt werden, würden Sammelunterkünfte eingerichtet. Der Landkreis hat ein Bürgertelefon unter den Nummern (05931) 44 57 01, 44 57 02 und 44 14 31 eingerichtet. Der Schritt, den Katastrophenfall auszurufen, sei wichtig, um auf überregionale Unterstützung zurückgreifen zu können, teilte Winter mit. Für das Bundeswehrgelände gilt das Katastrophenschutzgesetz nicht, laut Branddirektor Hanko Thies betrifft es nur den öffentlichen Bereich des Landkreises.

Seit Wochen brennt das Moor bei Meppen

Bundeswehr prüft Flutung des Moores

Um zu verhindern, dass der Moorbrand sich außerhalb des Bundeswehrgeländes ausbreitet, hat die Feuerwehr im Emsland rund 500 zusätzliche Einsatzkräfte angefordert. Die Feuerwehrleute sollen in der Nähe des Areals postiert werden, um sofort reagieren zu können, falls der Brand auf den zivilen Bereich übergreife, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Laut Bundeswehr sind derzeit 1.300 Kräfte von Militär, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) im Einsatz. Spezialkräfte der Bundeswehr erkundeten zudem, wie sie große Wassermengen in das Brandgebiet transportieren können, um es zu fluten. Dadurch solle die unterirdische Ausbreitung des Feuers eingedämmt werden. Die Lage sei weiter stabil und das Feuer unter Kontrolle. Wegen der Wettervorhersage bleibe der Druck aber hoch, hieß es in einer Mitteilung der Bundeswehr. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes soll der Wind zum Wochenende abnehmen. Schauer könnten weitere Entspannung bringen. Die Brandbekämpfung zieht sich auch deshalb hin, weil auf dem Areal Munitionsreste liegen. Das Gelände wird nach Angaben des Umweltministeriums seit 1877 militärisch genutzt und gilt als "blindgängergefährdet".

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Nach Angaben der Bundeswehr besteht durch den Qualm kein Gesundheitsrisiko. Lungenmediziner widersprechen dieser Darstellung allerdings. Die feinen Rauchpartikel seien für Menschen mit Vorerkrankungen durchaus eine Belastung. Der Naturschutzbund (NABU) Emsland kritisiert zudem die allgemeine Umweltbelastung und rechnet mit 500.000 bis 900.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid, die bislang in die Luft gelangt sind. Diese Menge würden 50.000 Bundesbürger im Schnitt pro Jahr verursachen.

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NDR//Aktuell | 21.09.2018 | 21:45 Uhr

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