Stand: 20.09.2018 16:55 Uhr

Moorbrand: Bundeswehr agierte grob fahrlässig

Der seit mehr als zwei Wochen schwelende Moorbrand im niedersächsischen Emsland hält nicht nur die Einsatzkräfte auf Trab, sondern beschäftigt mittlerweile auch Justiz und Politik. Es geht um die Frage, wer Fehler gemacht hat und wer die Schuld für den Brand trägt. Das Krisenmanagement der Bundeswehr wird von mehreren Seiten kritisiert.

Ein Kommentar von Martina Schimmelpenning, Leiterin des NDR Studios Osnabrück

Die Reaktionen der Bundeswehr infolge des Moorbrandes kann Martina Schimmelpenning nur schwer nachvollziehen.

Die Bundeswehr erlebt in diesen Tagen im Emsland ein selbstverschuldetes Desaster: Erst eine fahrlässsige Schießübung, die einen der schlimmsten Moorbrände verursacht, dann Schweigen statt Öffentlichkeitsarbeit. Tagelang ist von einigen Hektar Moor, die kokeln, die Rede. Und plötzlich brennen 800 Hektar Moor, Heide und Wald, große Mengen CO2 werden freigesetzt, beißender Rauch über großen Teilen von Niedersachsen. Der Brand hat sich explosionsartig ausgebreitet - und aus dem Verteidigungsministerium heißt es vorsichtig: "Wir bedauern!"

Provokante Äußerungen von der Bundeswehr

Die Anwohner sitzen teilweise seit Tagen auf gepackten Koffern, fürchten die Evakuierung, aber kein Verantwortlicher der Wehrtechnischen Anlage lässt sich außerhalb des Zaunes blicken oder informiert die Menschen vor Ort. Rettungskräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sind zum Schweigen verdonnert. Bundeswehrgelände eben ...

Rechthaberische, provokante Äußerungen des stellvertretenden Standortkommandeurs haben eine Linie vorgegeben, von der die Bundeswehr nur schwer runterkommen wird: Das Moor hätte aufgrund der Hitze sowieso irgendwann gebrannt, sagt er. Und: Die Tests seien notwendig gewesen, sie würden genauso wieder stattfinden.

Mehr als dusselig

Schießübungen bei größter Trockenheit? Die Löschfahrzeuge, man kennt es ja schon, nicht einsatzfähig? Das ist grob fahrlässig! Mit Dusseligkeit oder Hasardeurtum allein ist diese Haltung nicht zu erklären.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück will nun aufklären. Sie hat aufgrund der medialen Berichterstattung ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt in Gang gesetzt - wegen Brandstiftung und möglicher Umweltvergehen. Die Grünen haben Strafanzeige gestellt, sie fordern zudem einen Untersuchungsausschuss.

Man hätte ja auch mal nachfragen können ...

Auffällig dagegen das Schweigen von Behörden und Politikern vor Ort. Warum fordern sie keine personellen und strafrechtlichen Konsequenzen? Weil die Wehrtechnische Anlage einer der größten Arbeitgeber in der Region ist? Weil man die Vorgänge hinter dem Zaun nicht hinterfragt?

Die niedersächsische Landesregierung ist auch erst spät aktiv geworden. Am Donnerstag kritisierte Innenminister Boris Pistorius (SPD) vor Ort die Informationspolitik der Bundeswehr: Sie sei nicht nachvollziehbar. Man sei viel zu spät informiert worden. Man hätte ja auch aufgrund der Berichterstattung nachfragen können ... Aber nein: Bundeswehr eben!

Viele offene Fragen

Die will zwar nun täglich informieren - und doch sind viele Fragen offen: Wie lang wird es noch brennen im emsländischen Moor? Wie tief hat sich der Brand in den Torf gefressen?

Beim letzten großen Brand auf der Anlage im Jahr 2010 dauerten die Löscharbeiten drei Monate. Glutnester in der Tiefe können Monate, Jahre überdauern, sagen Brandexperten. Die Bundeswehr kann nur auf eines hoffen: auf eine kalte Dusche von oben - und das möglichst wochenlang.

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NDR Info | Kommentar | 20.09.2018 | 17:08 Uhr

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