Missbrauch: Uni Osnabrück forscht im Bistum Osnabrück

Stand: 04.05.2021 14:35 Uhr

Die Universität Osnabrück erstellt eine historische und juristische Studie zu sexualisierter Gewalt im Bistum Osnabrück. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und untersucht die Zeit seit 1945.

In einem ersten Teilprojekt wollen die Forscher um die Historikerin Siegrid Westphal und den Juristen Hans Schulte-Nölke den Umgang der Bistumsleitung mit den 53 bekannten Verdachtsfällen und 110 Betroffenen untersuchen. Unter den Beschuldigten seien 48 Priester, ein Diakon und vier Laien. Erste Ergebnisse zu dieser Fragestellung seien in einem Jahr zu erwarten. "Die Namen von Hauptverantwortlichen werden wir nennen, wenn ihnen Pflichtverletzungen zur Last fallen", sagte Projektleiter Schulte-Nölke. Beschuldigte könnten dann Stellung beziehen. Alle Ergebnisse sollen einer geplanten gemeinsamen Aufarbeitungskommission der Bistümer Hamburg, Hildesheim und Osnabrück zur Verfügung gestellt werden.

Bistum gewährt "absolute Unabhängigkeit"

Die Kirche stelle den Zugang zu Archiven und die Befragung von Betroffenen und Zeitzeugen sicher und finanziere die 1,3 Millionen Euro teure Studie. Ansonsten sei das Bistum nicht involviert. Es gebe das Heft des Handelns bis zur Veröffentlichung aus der Hand, sagte Generalvikar Ulrich Beckwermert am Dienstag. Das beziehe Bischof Franz-Josef Bode mit ein, so Beckwermert. Man wolle "die absolute Unabhängigkeit von seiner Person" gewährleisten. Diese sei in dem Vertrag festgeschrieben, hieß es. "Über die Wissenschaftsfreiheit haben wir eine maximale Freiheit bei der Veröffentlichung", sagte Susanne Menzel-Riedl, Präsidentin der Universität Osnabrück. Das Bistum habe an keiner Stelle einen Prüfungs- und Rechtsvorbehalt.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 04.05.2021 | 15:00 Uhr

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