Stand: 23.04.2018 14:04 Uhr

Mehr Zeit fürs Hobby

von Susanne Schäfer, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Eine gute Work-Life-Balance ist von vielen Einflüssen abhängig. Vielen Arbeitnehmern ist dabei ihr Hobby oder auch ein Ehrenamt sehr wichtig. Laut dem Deutschen Zentrum für Altersfragen engagiert sich immerhin jeder zweite Arbeitnehmer in seiner Freizeit freiwillig. Und sie wünschen sich Arbeitszeiten, die das möglich machen. Bei einem Vollzeit-Job ist das oft schwierig. Friseurin Mareike Schäffer hat daraus für sich die Konsequenzen gezogen.

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Mareike Schäffer stand vor der Wahl, entweder weniger zu arbeiten oder das Tanztraining aufzugeben.

Eine Turnhalle in einem kleinen Dorf in der Nähe des Dümmersees bei Diepholz in Niedersachsen. Sechs junge Mädchen laufen gut gelaunt umher, gleich beginnt ihre Tanzstunde. Trainerin Mareike Schäffer holt die Musikanlage, dann geht's los. "Es ist schön, wenn wir Auftritte haben und es klappt alles und die Mädels schauen dich mit strahlenden Gesichtern an. Dann sagst Du dir: Ja, die Mühe war es wert", sagt Schäffer.

40-Stunden-Woche oder Ehrenamt?

Die 33-Jährige tanzt selbst seit ihrer Kindheit. Sie liebt es, den Kindern die Tanzschritte beizubringen. Aber Schäffer war kurz davor, ihr Ehrenamt im Sportverein aufzugeben. Als Friseurin mit einer 40-Stunden-Stelle hatte sie nur donnerstags und sonntags frei. Am Donnerstag stand sie aber in der Turnhalle. "Das wurde einfach zu viel. Ich habe dann gesagt, ich muss eine Priorität setzen: Entweder ich höre mit dem Tanztraining auf und bleibe bei den 40 Stunden oder ich reduziere meine Arbeitszeit, sodass ich einen Tag habe, der nur für mich ist", berichtet Schäffer.

Wünsche nach Reduzierung der Arbeitszeit nehmen zu

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Immer mehr Mitarbeiter kommen auf Prokuristin Anne Niemann zu. Sie wollen mit ihr über ihre Arbeitszeiten reden.

Denn Schäffer wollte nicht auf ihr Hobby verzichten. Anne Niemann, ihre Vorgesetzte und Prokuristin bei der Salon-Kette Hair Fashion aus Lingen, kennt solche Wünsche: "Ich bekomme immer häufiger Anfragen von Mitarbeitern, die mit mir über ihre Arbeitszeiten sprechen wollen - aus welchen Gründen auch immer. Das kann das Hobby sein, das kann ein Krankheitsfall in der Familie sein oder einfach nur eine schwierige Lebenssituation. Auf jeden Fall ist es mehr geworden, dass die Mitarbeiter von ihren Vollzeitstellen abrücken wollen, damit sie ihr Privatleben mit dem Job besser vereinbaren können."

Reportage-Feature

Mein Leben, meine Arbeit

01.05.2018 10:05 Uhr
NDR Info

Ein Reportage-Feature von Jens Brommann und Susanne Schäfer aus der NDR Info Wirtschaftsredaktion beschäftigt sich mit der Suche nach einer Work-Life-Balance. mehr

Weniger Umsatz, aber hoch motivierte Mitarbeiter

Niemann versucht, Teilzeit immer möglich zu machen und eine Rückkehr in Vollzeit ebenso. Für eine bessere Work-Life-Balance der Mitarbeiter hat das Unternehmen aus Lingen auch die Urlaubssperren rund um Fest- und Brückentage reduziert und die Öffnungszeiten verändert. Für Schäffer und ihre Kollegen fängt das Wochenende jetzt eineinhalb Stunden früher an. Statt sonnabends um 16 Uhr schließen die Salons schon um 14.30 Uhr. Kein einfacher Schritt, sagt Niemann: "Wir verzichten bewusst auf Umsatz, um wirklich motivierte Mitarbeiter in den Salons zu haben. Wenn Leute gerne bei der Arbeit sind und ihren Job gut ausführen, dann merkt das auch der Kunde und ist damit auch zufrieden."

"Es macht wieder Spaß"

Für Schäffer sind Arbeit und Privatleben jetzt im Gleichgewicht. Und sie fährt donnerstags wieder entspannt zum Tanztraining in der Turnhalle: "Jetzt sage ich, es macht wieder Spaß, man hat wieder Zeit dafür. Es ist kein Stress mehr."

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 26.04.2018 | 07:41 Uhr

Serie: "Auf der Suche nach der Work-Life-Balance"

Arbeiten im Home Office

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