Stand: 15.03.2017 21:06 Uhr

"Maulaufmachen": Mit Bierdeckeln gegen Rassismus

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Der rote "Bullshit"-Stempel entlarvt Stammtischparolen.

In Kneipen und beim Bier werden oft Sprüche geklopft. Und häufig gehen diese auch zu Lasten anderer, besonders wenn es später wird. Mit einer ungewöhnlichen Aktion stemmen sich Kinder und Jugendliche in Lingen jetzt dagegen: Sie haben Bierdeckel in Kneipen verteilt, die sich gegen Stammtischparolen wenden. Dabei geht dem 20-köpfigen Team aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor allem um Sprüche gegen Geflüchtete. Mit ihrem Motto "Maulaufmachen" ernten sie nun große Resonanz.

"Das sind doch alles Wirtschaftsflüchtlinge"

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Auf der Rückseite des Deckels wollen die Kinder und Jugendlichen für Aufklärung sorgen.

Gastwirt Markus Quadt etwa hat auf dem Tresen der "Alten Posthalterei" am Lingener Marktplatz einen Stapel der Bierdeckel platziert. "Das sind doch alles Wirtschaftsflüchtlinge" ist auf einem Deckel zu lesen. Darauf prangt ein roter Stempel mit der Aufschrift "Bullshit". Quadt will mit den neuen Bierdeckeln seine Kundschaft zum Nachdenken anregen. Es sei manchmal ein Leichtes, die Schuld bei anderen zu suchen, besonders wenn Leute einen schlechten Tag haben, erklärt Quadt. "Im Grunde geht's genau darum: Vielleicht mal mehr Kopf und weniger Mund."

14.000 Bierdeckel gegen Rassismus

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Joshua Mohr und Lea Schockmann gehören zu dem Team der Offenen Kinder- und Jugendarbeit.

Die Kinder und Jugendlichen in Lingen haben rund 14.000 Bierdeckel in Umlauf gebracht, die sich gegen diskriminierende Stammtischparolen richten. "Wir wollen den Menschen die hier leben, also den Flüchtlingen, ein gutes Leben ermöglichen", sagt die 18-jährige Lea Schockmann. Die Schülerin will verhindern, dass die Menschen mit Vorurteilen konfrontiert werden. Die meisten Menschen seien vor dem Krieg geflüchtet, 51 Prozent seien Kinder, erklärt Lea Schockmann. Das widerlege, dass das alles Wirtschaftsflüchtlinge seien.

Der rote "Bullshit"-Stempel kommt an

In der Kneipe von Markus Quadt jedenfalls kommen die Bierdeckel gut an. "Ich finde das auf jeden Fall gut, weil jeder noch mal darüber nachdenkt und man kommt ins Gespräch", sagt ein Gast und fügt hinzu: "Die hätte man bestimmt schon mal ein halbes Jahr oder Jahr früher verteilen können."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 15.03.2017 | 17:00 Uhr

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