Unscharfe Silhouette einer Person mit Aktenkoffer. © misterQM / photocase.de Foto: misterQM

Maßmann: Clans setzen Behördenmitarbeiter unter Druck

Stand: 08.02.2021 14:46 Uhr

Mitglieder krimineller Clans versuchen laut Osnabrücks Polizeipräsident, Mitarbeiter von Behörden einzuschüchtern. Zum Beispiel mit dem Hinweis, man wisse, wo der Beamte wohnt.

Solche bedrohlichen Aussagen beschreibt Michael Maßmann in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ). Betroffen seien zum Beispiel Mitarbeitende von Sozialämtern. Das Verhalten krimineller Clan-Mitglieder ist Maßmann zufolge nicht nur gegenüber der Polizei von einem "Maximum an Respektlosigkeit" geprägt, sondern gegenüber allen Staatsvertretern. "Der Staat muss seine Amts- und Mandatsträger schützen", betonte der Polizeipräsident im Interview. "Wir dürfen uns keine Bedrohung, auch keine Respektlosigkeit bieten lassen."

Maßmann: Ermittler brauchen mehr Zugriffsmöglichkeiten

Der Osnabrücker Polizeipräsident Michael Maßmann spricht vor einer Kamera. © NDR
Osnabrücks Polizeipräsident Maßmann spricht sich dafür aus, Ermittlern mehr Möglichkeiten an die Hand zu geben. (Archivbild)

Der Polizeipräsident plädierte zudem dafür, Ermittlern mehr Rechte einzuräumen - etwa bei der sogenannten Vermögensabschöpfung. Oft könne ein Auto nicht beschlagnahmt werden, obwohl es ziemlich sicher "mit inkriminiertem Geld erworben" wurde. Die Fahrzeuge würden über Strohmänner zugelassen. "Hier müssen die Möglichkeiten einer Vermögensabschöpfung ausgeweitet werden", so Maßmann. "Wir müssen auch an die Vermögenswerte herankommen, die Clan-Mitgliedern zwar auf dem Papier nicht gehören, über die sie aber de facto verfügen." Bei Käufen solle es außerdem eine Bargeld-Obergrenze geben, "damit Gewinne aus illegalen Geschäften nicht im großen Stil über Bargeldkäufe reingewaschen werden können."

Videos
Die neue mobile Wache der Polizei.
1 Min

Mobile Wache gegen Clankriminalität in Peine

Der Büro-Container ist mit zwei Beamten rund um die Uhr besetzt und soll ein Zeichen gegen Clankriminalität setzen. (16.07.2020) 1 Min

Perspektive zum Ausstieg bieten

Nachdenken solle man auch über Aussteigerprogramme für Clan-Mitglieder, sagte Maßmann der NOZ. "Wir müssen auch denjenigen Angebote machen, die aus dem Clan-Umfeld aussteigen wollen." Er sprach sich für mehr Aktivitäten in der Jugend- und Integrationsarbeit aus, ebenso wie für Programme ähnlich wie für ausstiegswillige Extremisten. "Aber ich sage auch: Die Bekämpfung der Clankriminalität gelingt nur, wenn es als gesamtgesellschaftliche Herausforderung angenommen wird."

Weitere Informationen
Polizeibeamte mit Schäferhund bei einer durchsuchen bei einer Razzia ein Vereinsheim. © Nord-West-Media TV

Achim: Polizei durchsucht Häuser von Familienclan

Die Beamten stellten bei der Razzia zahlreiche Beweismittel sicher. Insgesamt 19 Personen stehen unter Verdacht. (14.01.2021) mehr

Vor einem Gebäude steht ein Schild mit der Aufschrift "Amtsgericht Landgericht Staatsanwaltschaft Hildesheim". © dpa - Bildfunk Foto: Holger Hollemann

Clans: Vier Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften starten

In Hildesheim, Braunschweig, Osnabrück und Stade kümmern sich jetzt zusätzliche Staatsanwälte um kriminelle Clans. (28.09.2020) mehr

Das Wappen der Polizei Niedersachsen auf der Schulter einer/s Polizisten/in. © Picture Alliance Foto: Hauke-Christian Dittrich

Clan-Mitglied belästigt Polizisten

In Peine ist offenbar ein Polizist, der zivil mit dem Fahrrad unterwegs war, von einem Mitglied eines Familien-Clans belästigt worden. (03.07.2020) mehr

Angelika Henkel.
2 Min

Kriminelle Clans: Wie groß ist das Problem?

Weshalb hat das Innenministerium die Zahlen zur Clankriminalität gerade jetzt vorgelegt und welche Regionen in Niedersachsen sind besonders betroffen? Angelika Henkel im Interview. (12.06.2020) 2 Min

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.01.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Drei aufgezogene Impfspritzen mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer sind in einer Praxis für Allgemeinmedizin in Hamburg-Volksdorf zu sehen. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Corona: Landkreis Diepholz fürchtet Impfstoff-Lücke

Der Landkreis hatte zuletzt weniger Impfstoff bekommen als angekündigt. 15.000 Menschen stehen auf der Warteliste. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen