Stand: 10.11.2017 20:36 Uhr

Massenerschießung: Ermittlungen gegen 94-Jährigen

Es ist ein Verbrechen, das mittlerweile mehr als 76 Jahre zurückliegt: Im September 1941 erschossen sogenannte deutsche Einsatzgruppen im ukrainischen Babi Yar mehr als 33.700 Juden. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt nun gegen einen 94 Jahre alten Mann aus Georgsmarienhütte (Landkreis Osnabrück). Er soll im September 1941 Mitglied der Einheit gewesen sein, die den Massenmord beging.

Verfahren hängt auch von Gesundheit des Mannes ab

Anfang Oktober sind bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück zwei Anzeigen gegen den 94-jährigen Mann eingegangen. Eine Beschuldigung stammt vom Simon-Wiesenthal-Zentrum, das durch seine weltweite Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern und Kollaborateuren bekannt geworden ist. In beiden Anzeigen wird dem Mann aus Georgsmarienhütte vorgeworfen, am Massenmord von jüdischen Männern, Frauen und Kindern in der Schlucht in der Stadt Kiew am 29 und 30. September 1941 beteiligt gewesen zu sein. Polizei und Staatsanwaltschaft untersuchen nun, welche Aufgaben der heute 94-Jährige damals in seiner Einheit übernommen hat. Außerdem überprüfen sie, wie es dem Mann gesundheitlich geht. Davon hängt ab, ob ein Strafverfahren überhaupt möglich ist.

94-Jähriger weist Vorwürfe zurück

Auf Anfrage des NDR hat der 94-Jährige zurückgewiesen, an dem Massenmord beteiligt gewesen zu sein. Er habe davon nichts gewusst und in seiner Einheit damals lediglich Fahrzeuge repariert und Ersatzteile beschafft. Damit wiederholt er seine Aussage, die er im September dem ARD Politikmagazin Kontrastegab. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft könnte möglicherweise auch Anklage erhoben werden, wenn er nur indirekt an dem Massenmord beteiligt war.

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Urteil gegen Ex-SS-Mann Gröning rechtskräftig

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Erinnerung an Fall Oskar Gröning

Der Fall des 94-Jährigen aus Georgsmarienhütte erinnert an den Prozess gegen Oskar Gröning: Der einstige SS-Unterscharführer, der von 1942 bis 1944 im KZ Ausschwitz tätig war, wurde im Juli 2015 wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe bestätigte das Urteilim September 2016. Es war das erste Urteil gegen einen Ausschwitz-Helfer, das zu Lebzeiten des Täters in Kraft trat. Angetreten hat Gröning die Haft bislang nicht. Ob und wann Gröning er hinter Gitter muss, darüber muss das Landgericht Lüneburg entscheiden. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Hannover hatte im August einen Antrag auf Strafaufschub abgelehnt. Die Verteidigung beantragte darauf eine weitere Prüfung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 10.11.2017 | 16:00 Uhr

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