Stand: 31.07.2019 18:27 Uhr

Leck in Emlichheim: Staatsanwaltschaft ermittelt

Nachdem auf einem Ölfeld in Emlichheim (Grafschaft Bentheim) offenbar über Jahre in großen Mengen belastetes Wasser ausgelaufen ist, ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Osnabrück. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, stammt die entsprechende Anzeige vom Erdölproduzenten Wintershall DEA selbst. "Die Ermittlungen führt die Polizei in Lingen für uns", sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer. Die Ermittler sollen prüfen, ob ein Umweltvergehen vorliegt.

Ölbohrungen

Emlichheim: Lagerstättenwasser ausgelaufen

Hallo Niedersachsen -

Seit mehr als 75 Jahren fördert das Unternehmen Wintershall in Emlichheim Erdöl. Offenbar ist dabei jahrelang Lagerstättenwasser unbemerkt ausgelaufen und in den Boden gesickert.

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Bis zu 220.000 Kubikmeter Wasser versickert

Am Montag war bekannt geworden, dass auf der Förderanlage an der Grenze zu den Niederlanden zwischen Januar 2014 und Oktober 2018 offenbar zwischen 140.000 und 220.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser im Erdreich versickert sind. Ursache sind Korrosionsschäden an einem Einpressbohrrohr ("Em132") am Rohrsystem des Bohrlochs. In 150 Metern Tiefe soll dies auf 60 Meter Länge verrostet sein, wie ein vorläufiges Gutachten zeigt. Demnach soll das oberflächennahe Grundwasser nicht kontaminiert sein.

Lagerstättenwasser

  • Lagerstättenwasser entsteht bei der Förderung von Erdöl. Bei den Bohrungen in Emlichheim besteht es aus Wasser, gelösten Salzen, Resten von Kohlenwasserstoffen und geringen Mengen Schwermetall.
  • Nach Angaben von Andreas Sikorski, Präsident des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), besteht keine akute Gefahr für die Menschen in der Region. Im Abstrombereich der Bohrung werde kein Trinkwasser gewonnen, teilte das LBEG mit.

Erste Ergebnisse ab Donnerstag

Im Zuge von parallel betriebenen Tiefenbohrungen wurden am betroffenen Rohr Proben genommen. Diese wurden am Dienstagabend in ein Labor nach Sachsen geschickt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Die Untersuchungen sollen klären, in welchen Bodenschichten sich das giftige Lagerstättenwasser abgelagert hat. Erste Ergebnisse werden am Donnerstag erwartet. Die Erkundung wird sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums über mehrere Wochen hinziehen.

Zweite Bohrstelle wird weiter überprüft

Auch an einer anderen Bohrstelle ("EM 51") wurden Korrosionen festgestellt. Tests des zuständigen Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) haben bislang gezeigt, dass an dieser Bohrstelle kein Wasser ausgetreten ist. Das LBEG werde die Lage dort weiter überprüfen, sagte Abteilungleiter Klaus Söntgerath NDR 1 Niedersachsen.

Beide Rohre außer Betrieb

Auf dem Erdölfeld gibt es nach Angaben eines Sprechers von Wintershall DEA 93 Förderbohrungen, über die das Erdöl gefördert wird. Derzeit sind vier Einpressbohrungen aktiv. Die beiden Bohrungen "Em132" und "EM51" wurden wegen der Auffälligkeiten außer Betrieb gesetzt. Wintershall DEA hatte die defekten Rohre im März gemeldet.

Ministerium informiert Landtagsfraktionen

Links

LBEG: Fragen und Antworten zu Lagerwasseraustritt

Das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie beantwortet zehn wichtige Fragen zum Austritt von Lagerstättenwasser auf einer Ölförderanlage in der Grafschaft Bentheim. extern

Das Niedersächsische Wirtschaftsministerium kündigte für diese Woche eine kurzfristige Information der Landtagsfraktionen über die Probleme in Emlichheim an. Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) will am 16. August das Ölfeld in Emlichheim besuchen. Am Dienstag hatte das Ministerium landesweit eine Überprüfung aller Einpressbohrungen angeordnet. Bis zum 5. August müssten demnach alle Erdöl- und Erdgasproduzenten Informationen zu ihren Anlagen liefern. Konkret sollen sie für die 220 aktiven Einpressbohrstellen in Niedersachsen angeben, aus welchem Material die Rohre gebaut sind, wie diese überwacht werden und was gegen Korrosion getan wird.

Weitere Informationen

Wegen Lecks: Althusmann prüft Einpressbohrungen

Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann (CDU) macht Druck: Nach den Lecks in Emlichheim fordert er von allen Erdöl- und Gas-Produzenten eine Prüfung ihrer Einpressbohrrohre. (30.07.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 31.07.2019 | 17:00 Uhr

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