Screenshot aus heimlichen Videoaufnahmen in einem Schlachthof.  Foto: Deutsches Tierschutzbüro e.V.

Kühe im Schlachthof gequält? Ex-Mitarbeiter angeklagt

Stand: 20.07.2021 11:40 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen sechs frühere Mitarbeiter eines Schlachthofs in Bad Iburg erhoben. Dem Ex-Betreiber wirft sie zudem vor, Fleisch von tot angelieferten Kühen verkauft zu haben.

Den Mitarbeitern wirft die Staatsanwaltschaft Oldenburg Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor, weil sie einer Vielzahl von Kühen "länger anhaltende erhebliche Schmerzen und Leiden" zugefügt haben sollen. Über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung eines Verfahrens muss nun das Amtsgericht Bad Iburg entscheiden.

Etliche Landwirte und Viehtransporteure schon verurteilt

In den vergangenen Monaten hatte das Amtsgericht Osnabrück etliche Landwirte und Viehtransporteure verurteilt, die Tiere an den Schlachthof geliefert hatten. Die jetzt beschuldigten sechs Mitarbeiter sollen Rinder, die nicht mehr selbstständig laufen konnten, von Anhängern per Seilwinde in den Schlachthof gezogen haben. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hätten die Tiere jedoch noch auf den Ladeflächen der Lieferfahrzeuge notgetötet werden müssen.

Fleisch von tot angelieferten Tieren verkauft

Dem ehemaligen Schlachthof-Betreiber wirft die Anklagebehörde zudem Straftaten nach der Tierischen-Lebensmittel-Hygieneverordnung vor. Er soll in einigen Fällen bereits tot angelieferte Rinder geschlachtet und deren Fleisch in den Verkehr gebracht haben. Zwei weitere Beschuldigte sollen ihm dabei geholfen haben.

Strafbefehl gegen zwei Veterinäre beantragt

Darüber hinaus hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen zwei vom Landkreis Osnabrück amtlich bestellte Tierärzte Strafbefehl beim Amtsgericht Bad Iburg beantragt. Sie seien nicht gegen das Vorgehen auf dem Schlachthof eingeschritten. Ihnen wirft die Behörde Straftaten nach dem Tierschutzgesetz und der Tierischen-Lebensmittel-Hygieneverordnung vor. Über den Erlass der beantragten Strafbefehle muss nun das Amtsgericht Bad Iburg entscheiden. Vergehen nach dem Tierschutzgesetz und der Tierischen-Lebensmittel-Hygieneverordnung können mit laut Staatsanwaltschaft mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.07.2021 | 05:00 Uhr

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