Stand: 15.08.2018 21:47 Uhr

Krisentreffen zu Enercon - ohne Enercon-Chefs

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Enercon sieht sich für seine Zulieferer nicht zuständig. Das ärgert deren Mitarbeiter.

Der Windkraftanlagen-Hersteller Enercon zieht zurzeit viel Ärger auf sich. Hunderte Beschäftigte von Zulieferunternehmen, die exklusiv für Enercon produzieren, werden voraussichtlich ihre Arbeit verlieren - doch der Auricher Konzern fühlt sich für sie nicht zuständig. Enercon will sich nach eigenen Angaben internationaler aufstellen und viele Windrad-Teile in anderen Ländern produzieren. 835 Stellen sind wohl bundesweit betroffen, im Harener Aero-Ems-Werk sollen 225 von 275 Stellen wegfallen. Dazu gab es am Mittwoch in Hannover ein Krisentreffen mit Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Er wollte ausloten, inwiefern das Land zur Rettung der Arbeitsplätze beitragen kann - mit Betriebsräten von Enercon-Zulieferern, Gewerkschaftern, Vertretern von Industrie- und Handelskammern, Arbeitsagentur und Windenergie-Verband. Aus der Enercon-Chefetage war allerdings niemand dabei.

Protestierende

Enercon-Mitarbeiter treffen Althusmann

Hallo Niedersachsen -

Beschäftigte des Windkraftherstellers Enercon haben mit Wirtschaftsminister Althusmann über den geplanten Stellenabbau gesprochen. Die Konzernleitung fehlte bei dem Treffen.

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Urlaubssperre: Mitarbeiter sollten nicht nach Hannover fahren

Die Geschäftsführung setze mit ihrer Abwesenheit ein "ausgesprochen schwieriges" Zeichen, kritisierte Althusmann. "Ich halte es nicht für ein gutes und richtiges Signal im Sinne einer guten sozialpartnerschaftlichen Unternehmensleitung." Von anwesenden Mitarbeitern erhielt Althusmann dafür Applaus. Die Teilnahme am Gespräch abgesagt hatte auch der Aero-Ems-Geschäftsführer. Nach Informationen von NDR 1 Niedersachsen hatte die Harener Firma im Vorfeld eine Urlaubssperre verhängt: Mitarbeiter, die zum Gespräch mit Althusmann nach Hannover reisen, müssten mit einer Kündigung rechnen, hieß es nach Angaben eines Betriebsrats. Auch in Emden und Aurich sollen die Vorgesetzten versucht haben, Mitarbeiter an der Fahrt zu hindern.

IG Metall: "Starkes Stück", Teilnahme abzusagen

Etwa 150 Beschäftigte aus Emden, Aurich, Westerstede und Haren kamen aber dennoch und demonstrierten vor dem Wirtschaftsministerium. Sie forderten Gespräche mit Enercon über Alternativen zum Stellenabbau und Druck von der Politik. Es sei schon "ein starkes Stück", dass Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig nicht mal auf Bitte des niedersächsischen Wirtschaftsministers an einen runden Tisch komme, sagte Thomas Gelder von der IG Metall. Stattdessen unterstreiche das Auricher Unternehmen, dass es mit seinen Zulieferern in Emden, Aurich, Westerstede und Haren offenbar nichts mehr zu tun haben will.

Enercon weist Verantwortung für Zulieferer von sich

Schon in der vergangenen Woche hatte ein Enercon-Sprecher direkten Gesprächen mit Betriebsräten und Gewerkschaft eine Absage erteilt: Für Zulieferer sei Enercon nicht der Arbeitgeber und daher nicht zuständig. Die Antwort der Betriebsräte: Die betroffenen Betriebe in Emden, Aurich, Westerstede und Haren arbeiteten ausschließlich für Enercon und gehörten zum Konzern. Jetzt auf einmal sei man nur noch ein externer Zulieferer, sagte ein Betriebsrat NDR 1 Niedersachsen.

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Aero-Ems-Beschäftigte haben Enercon-Mailadressen

Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd-Carsten Hiebing bezeichnete die Haltung des Unternehmens in der vergangenen Woche als "unverschämt". Für ihn seien Aero Ems und Enercon ein Betrieb. Dafür spreche auch, dass die Harener Mitarbeiter Enercon-E-Mail-Adressen besitzen. Dass etwa die Aero Ems GmbH sehr eng mit Enercon zusammenhängt, belegen Fotos, die NDR 1 Niedersachsen am Werksgelände aufgenommen hat und auf denen deutlich beide Unternehmensnamen zu sehen sind. Recherchen von NDR.de haben zudem ergeben, dass Enercon-Chef Kettwig auch als Geschäftsführer des Unternehmens Aero Ems GmbH fungiert - das scheint nun allerdings der Vergangenheit anzugehören. Kettwig ließ am Mittwoch mitteilen, dass er ab sofort nicht mehr Mit-Geschäftsführer der betroffenen Zulieferfirmen ist.

Althusmann: "Wir brauchen den Bund an Bord"

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Wirtschaftsminister Althusmann (Mitte) stimmte den Demonstranten am Mittwoch zu: "Natürlich sind Sie Enercon", sagte er.

Enercon sei natürlich auch für die Mitarbeiter in den Zulieferbetrieben verantwortlich, sagte Althusmann. Er wolle sich weiter intensiv dafür einsetzen, dass Enercon sich mit den Betriebsräten und Gewerkschaften an einen Tisch setzt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) habe außerdem zugesagt, Sonderausschreibungen für neue Windparkprojekte so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen: "Wir brauchen den Bund an dieser Stelle an Bord." Der Niedersächsische Landtag werde sich in der kommenden Woche ebenfalls mit dem Thema befassen. Althusmann hofft, dass die Konjunkturlücke in der Windkraftbranche mit Kurzarbeit, Umschulungen und weiteren Maßnahmen überbrückt werden kann. Gewerkschafter Thomas Gelder sagte nach dem Treffen in Hannover, die Politik merke offenbar langsam, was Enercon unter Sozialpartnerschaft verstehe.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 15.08.2018 | 18:00 Uhr

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