Stand: 18.10.2017 07:27 Uhr

Keine Züge: Sanierte Strecke ein "Millionengrab"?

Im Landkreis Emsland wurde in den vergangenen Jahren die lange gesperrte Bahnstrecke zwischen Lathen und Werlte komplett saniert - für insgesamt rund zehn Millionen Euro. Den Großteil davon haben Bund und Land mit Fördermitteln bezahlt. Seit dem Wochenende ist die gut 25 Kilometer lange Strecke wieder für Güterzüge freigegeben. Nur: Es gibt bislang keine Unternehmen, die die Strecke verbindlich nutzen wollen. Der Bund der Steuerzahler wittert eine mögliche Fehlinvestition.

Wann ein Zug fährt, ist unklar

Schon vor dem Baustart im Jahr 2014 hatte der Bund der Steuerzahler den Landkreis angeschrieben und Bedenken formuliert, sagt dessen Vorsitzender Bernhard Zentgraf. "Wir haben Sorge, dass sich die Strecke am Ende zu einem Millionengrab entwickelt, wenn der Güterverkehr sich nicht in der Höhe einstellt und damit die Einnahmen ausbleiben." Noch ist nämlich nicht klar, wann der erste Güterzug auf der Strecke rollt. Bislang hat der Betreiber, die Landkreis-Tochter Emsländische Eisenbahn, keine Zusagen für eine Nutzung. "Ich habe keine Möglichkeiten, Leistungen zu fahren, wenn ich keine Aufträge habe", sagt deren Geschäftsführer Heinz Rosen.

"Nehme mir Kritik zu Herzen"

Ihn lasse nicht kalt, dass der Bund der Steuerzahler nicht an die Rentabilität glaubt. "Ich nehme mir so eine Kritik zu Herzen", sagt er. "Aber man darf so eine Infrastruktur nicht aufgeben - gerade auf dem Hümmling." Das vor dem Hintergrund, dass dort nur wenige Autobahnen, Landesstraßen und Kreisstraßen gebe.

Müssen weitere Gleise verlegt werden?

Heinz Rosen von der Museumseisenbahn Hümmlinger Kreisbahn. © Hedwig Ahrens
Bietet eine Strecke, aber keiner will auf ihr fahren: Heinz Rosen, Geschäftsführer der Emsländischen Eisenbahn.

In Einzelgesprächen will Rosen nun regionale Unternehmen für die Bahnstrecke gewinnen. Er hofft, dass in Zukunft ein Zug pro Tag die Strecke nutzt. Dazu sind aber weitere Investitionen nötig: Um große Mengen an Holz oder Kies auf 500 Meter lange Ganzzüge - also komplette Güterzüge - verladen zu können, sollen in Werlte, Sögel und Lathen zusätzliche Gleise gelegt werden. Dafür würden jeweils weitere zwei Millionen Euro fällig.

"Guter Dinge, dass die Strecke Tonnage bekommt"

Marc-André Burgdorf, Dezernent für Verkehr beim Landkreis, ist sicher, dass die Ausgaben berechtigt sind. "Wir sind guter Dinge, dass die Strecke Tonnage bekommt", sagt er. "Es wäre falsch zu sagen, hier ist irgendwas unsinnig gebaut worden." Ob die Strecke genutzt wird, will der Bund der Steuerzahler im Auge behalten. Die Befürchtung: Fließen keine Einnahmen an den Betreiber, entstünden noch mehr Kosten, weil die öffentliche Hand die Strecke unterhalten muss. Wer jedoch denkt, dass die Strecke unterdessen komplett brach liegt, der irrt: Der Verein Museumseisenbahn Hümmlinger Kreisbahn wird zu Volksfesten wieder Fahrten für Besucher anbieten.

Weitere Informationen
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Hallo Niedersachsen | 17.10.2017 | 19:30 Uhr

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