Achim Raasch, ehrenamtlicher Grabungshelfer, untersucht eine Grabungsstelle auf dem Gelände der Varusschlacht. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Kalkriese: Hinweise auf römisches Lager verdichten sich

Stand: 01.10.2021 15:29 Uhr

Lange deuteten Forschende die Funde in Kalkriese so, dass es dort einen germanischen Hinterhalt gegen die Römer gab. Grabungen der vergangenen Jahre deuten aber auf ein römisches Marschlager hin.

Als in den 90er-Jahren eine Wallgrabenanlage in Kalkriese (Landkreis Osnabrück) freigelegt wurde, gingen die Forscherinnen und Forscher davon aus, dass es sich um einen Hinterhalt der Germanen handelte. Das erklärte eine Sprecherin des Museums und archäologischen Parks Kalkriese dem NDR in Niedersachsen. 2016 und 2017 seien dann bei Grabungen an unterschiedlichen Stellen im Park weitere Wallgräben zum Vorschein gekommen. Solche Wallanlagen seien typisch für römische Lager gewesen, sagte die Sprecherin. Durch die Annahme, dass die Römer in Kalkriese ein Lager gebaut hatten, ändere sich das Szenario der Varusschlacht, sagte sie. Demnach hätten die Germanen den Römern dort keinen Hinterhalt gestellt, sondern das Lager der Römer überrannt.

Zusammenhang zur Varusschlacht

Auch nach Grabungen in diesem Jahr sei es wahrscheinlicher geworden, dass das Grabensystem von der römischen Armee angelegt wurde, sagte der Geschäftsführer des Museums und archäologischen Parks Kalkriese, Stefan Burmeister. Die These eines von den Germanen errichteten Walls als Hinterhalt steht nach Angaben des Museumsparks Kalkriese jedenfalls infrage. "Wir graben hier an einer Schlüsselstelle, um diese Frage hoffentlich abschließend klären zu können", so Burmeister.

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"Die Römer haben komplett die Kontrolle verloren"

Der Geschäftsführer des Museumsparks betonte, dass das Lager schon im Zusammenhang mit der Varusschlacht betrachtet werde. Die Spuren ließen keinen Zweifel, an einem Ort der Niederlage der römischen Armee zu sein. "Die Römer haben komplett die Kontrolle verloren, konnten sich noch nicht einmal um ihre Verwundeten kümmern." Bei der Schlacht zwischen Römern und Germanen im Jahr 9 nach Christus wurde die Streitmacht des römischen Feldherrn Varus vernichtend geschlagen. Die Niederlage gilt als Ursache dafür, dass Germanien seinerzeit nicht von den Römern kolonialisiert wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 01.10.2021 | 15:00 Uhr

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