K-Frage: CDU in Niedersachsen uneins - aber mit Tendenz

Stand: 14.04.2021 21:07 Uhr

Kandidiert CDU-Parteichef Armin Laschet oder CSU-Parteichef Markus Söder als Kanzler? Manche Christdemokraten in Niedersachsen sehen Laschet vorn, mehr noch aber favorisieren den Mann aus Bayern.

Selbst die niedersächsische Parteispitze ist uneins. So spricht sich der stellvertretende Chef der Landes-CDU für Söder aus. Der gelte als führungsstark, dynamisch und zupackend, sagte Fritz Güntzler, der zugleich für Göttingen im Bundestag sitzt, dem NDR. "In dieser schwierigen Situation schafft er es, Mut und Zuversicht auszustrahlen und den Menschen mitzugeben." Er würde sich freuen, wenn Armin Laschet seinem Konkurrenten die Kandidatur anträgt. Anders sieht das der Landes-Vorsitzende Bernd Althusmann: "Armin Laschet ist ein sehr verlässlicher Teamplayer, und er kann Menschen zusammenführen. Von daher ist es, glaube ich, automatisch, dass auch die CDU als größere Schwesterpartei diesen Anspruch erhebt", sagte Althusmann bereits am Montag. Generalsekretär Sebastian Lechner hingegen will sich im Namen des Präsidiums nicht festlegen. "Ich glaube, es ist jetzt nicht Aufgabe und Zeit von Landesverbänden und anderen Gliederungen, ein Votum Pro oder Contra eines bestimmten Kandidaten zu treffen", sagte Lechner dem NDR. Und wie ist das Stimmungsbild in den Regionen?

Frauenunion Osnabrück: "Stehen hinter Laschet"

Cornelia Hesselmann, Vorsitzende der Frauenunion im Landkreis Osnabrück, erinnert daran, dass Laschet schließlich mit großer Mehrheit zum Parteivorsitzenden gewählt worden ist. Außerdem haben sich die Spitzengremien für ihn ausgesprochen. "Von daher ist das für mich keine Frage, dass wir uns alle hinter ihn stellen", sagte Hesselmann dem NDR in Niedersachsen. Der Vorsitzende der CDU in Bad Bentheim, Marcel Speker, spricht sich ebenfalls für Laschet aus. Er könne aber auch "mit einem Kandidaten Söder leben", sagte Speker.

Frage solle zügig geklärt werden

Was die meisten CDU-Mitglieder aus dem Südwesten Niedersachsens eint, ist die Forderung nach einer zügigen Festlegung, mit wem die Union in das Rennen um die Kanzlerschaft geht. Der Europa-Abgeordnete Jens Gieseke aus Sögel meint: "Alle Fakten liegen auf dem Tisch, jetzt muss aber auch zügig entschieden werden. Wir brauchen keine weiteren Diskussionsrunden, keine Beratungsgremien." Aus der Osnabrücker Kreistagsfraktion kommt der allgemeine Wunsch nach mehr Mitsprache. An der Basis gebe es oft andere Meinungen als an der Parteispitze, sagte Maren von der Heide, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Kreistag Osnabrück: "Daher halte ich es durchaus für sinnvoll, perspektivisch nochmal zu überdenken, ob das richtig ist über Delegiertenwahlen zu gehen, oder ob auch Mitgliederentscheide richtig sein können."

Der Nordwesten ist eher für den Mann aus dem Süden

Silvia Breher, stellvertretende Vorsitzende der Bundes-CDU und für den Wahlkreis Cloppenburg-Vechta im Bundestag, ist klar pro Laschet, wie sie am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin noch einmal deutlich gemacht hat. Anders sieht das der Bundestagsabgeordnete Stephan Albani aus dem Wahlkreis Oldenburg-Ammerland. Er  schilderte dem NDR, dass die Mehrheit der Fraktion in Berlin für Söder sei - er selbst wolle sich da nicht ausnehmen. Die Landtagsabgeordnete Esther Niewerth-Baumann aus Oldenburg bekennt sich ebenfalls zu dem CSU-Chef. Er habe einfach die besseren Aussichten auf einen Wahlsieg, sagt sie. Bundesfraktions-Vize Gitta Connemann aus dem Landkreis Leer, Niedersachsens Landtags-Vizepräsident Bernd Busemann aus Papenburg und Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler aus der Wesermarsch wollten sich auf Anfrage nicht festlegen.   

Was sagt die Basis? 

Auch aus Ostfriesland mehren sich die Stimmen der Unionspolitiker, die eher dem Franken das Kanzleramt zutrauen. Ähnlich ist es im Südoldenburgischen: Der Chef der CDU im Landkreis Vechta, André Hüttemeyer, ist für Söder, im Kreisverband selbst sei das Meinungsbild noch gemischt mit leichtem Vorsprung für den CSU-Chef, sagte er dem NDR. Für die Frauenunions-Vorsitzende in Vechta, Katharina Willenbrink, ist es jetzt vor allem wichtig, dass die Frage schnell entschieden werde, weil es momentan wichtigere Themen gebe - zum Beispiel die Corona-Pandemie.

Auch im Nordosten kein Rückhalt für Laschet

Im Nordosten Niedersachsen schlagen sich die CDU-Mitglieder ebenfalls auf die Seite von Markus Söder. Uwe Dorendorf, Vorsitzender des Kreisverbandes Lüchow-Dannenberg, sagte dem NDR, dass Söder klare Kante und Profil zeige, das würde er bei Armin Laschet vermissen. Jörg Ahlfeld, Vorsitzender der CDU in Scharnebeck bei Lüneburg glaubt, dass nur Söder die Union einen kann, Laschet würde die Union in zwei Lager spalten. Außerdem seien die Umfragewerte klar: Danach sei Söder in der Bevölkerung weitaus beliebter als Laschet, darauf müsse die Union Rücksicht nehmen. Und beim Kreisverband Stade heißt es, Söder sei der starke Mann, der die Bevölkerung gut durch die Pandemie führen könne.

Die Frage müsse schnell geklärt werden

Der Wolfenbütteler Landtagsabgeordnete Frank Oesterhelweg favorisiert ebenfalls den Mann aus Bayern, auch die Mitglieder-Mails an ihn gingen in diese Richtung. Der Braunschweiger Bundestagsabgeordnete Carsten Müller wünscht sich einen hemdsärmligen Kandidaten, nennt aber keinen Namen. Und der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Schünemann aus Holzminden sieht in dem offen ausgetragenen Streit ein riesiges Problem für die Union. Die Kandidatenfrage müsse schnell entschieden werde, um größeren Schaden von der CDU abzuwenden. "Deadline ist Samstag", sagte Schünemann dem NDR. Dann müsse der Kanzlerkandidat feststehen.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 14.04.2021 | 15:00 Uhr

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