Stand: 10.07.2017 15:30 Uhr

Junge Salafisten und ihr "Lego-Islam"

Wie verrichtet man als gläubiger Muslim eigentlich sein Gebet? Antworten auf Fragen wie diese haben viele junge Menschen, die sich gewaltbereiten islamistischen Gruppen anschließen, offenbar nicht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie der Universität Osnabrück, die am Montag vorgestellt worden ist. Die Wissenschaftler untersuchten 5.757 Postings einer Chat-Gruppe, der zwölf junge Männer im Alter von 15 bis 35 Jahren angehörten. Die Mitglieder der Gruppe hätten kaum Bindungen an Moscheegemeinden oder traditionelle Formen des Glaubens, so die Forscher.

Die Hände von zwei Männern, die jeweils ein Smartphone in der Hand halten und untereinander schreiben.

Islamismus: Radikalisierung von Jugendlichen

Hallo Niedersachsen -

Wissenschaftler haben eine neue Studie zu gewalttätigen salafistischen Jugendgruppen veröffentlicht. Demnach radikalisieren sich Jugendliche nicht in Moscheen, sondern untereinander.

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Der "Lego-Islam"

"Man kann sagen, sie bauen sich ihren eigenen 'Lego-Islam'", sagte Michael Kiefer vom Institut für Islamische Theologie. Die Studie entstand in Kooperation mit dem Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Besonders im Übergang von der Schule ins Berufsleben könnten junge Muslime in die radikalislamische Szene abrutschen, sagte Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Weitere Risikofaktoren seien Tod oder Krankheit in der Familie sowie Drogenkonsum oder Gewalterfahrungen.

Stichwort: Salafismus

Nach Angaben des Verfassungsschutzes ist Salafismus eine islamistische Strömung, die zum Teil die Anwendung von Gewalt nicht grundsätzlich ablehnt. Sie verlangt von Muslimen, sich in Glauben, religiöser Praxis und Lebensführung ausschließlich an den Prinzipien von Koran und Sunna (Prophetentraditionen) auszurichten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Quellen aus der Frühzeit des Islam.

Mehr Hilfe in den Schulen

Das Forschungsnetzwerk Radikalisierung und Prävention fordert deshalb nun mehr Hilfsangebote an den Schulen - aber nicht in den Moscheegemeinden. Diese würden von den jungen Männern nämlich gemieden: Sie betrachteten die Mehrheit der Muslime, die nicht ihren radikalen Ansichten folgten, als "Ungläubige".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.07.2017 | 15:00 Uhr

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