Stand: 23.08.2019 16:46 Uhr

Immer mehr Männer überwachen Frauen per Smartphone

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Wo ist meine Partnerin? Schon ein harmloser Eintrag bei Snapchat kann die Antwort auf diese Frage liefern (Symbolfoto).

Beratungsstellen wollen Frauen schützen - in der realen Welt, aber immer häufiger digital. NDR 1 Niedersachsen berichtet, dass im Emsland inzwischen jede fünfte hilfesuchende Frau von Online-Überwachung betroffen ist: Ihre Partner kontrollieren über das Handy, was sie in sozialen Netzwerken schreiben, wann sie online sind und wo sie sich gerade aufhalten. Dazu nutzen die Männer einfach die Ortungsdienste des Smartphones.

Snapchat und Navi als Einfallstore

Wie das praktisch geht? Der Nachrichtendienst Snapchat etwa macht ihren Standort für andere Nutzer sichtbar. Selbst wenn Betroffene das Handy wechseln, sind sie nicht immer sicher. Auch wer das Handy als Navi nutzt, hat dafür die Ortungsdienste eingeschaltet. So wissen aber im Zweifelsfall auch andere Nutzer, wo man gerade ist. Manch einer nutzt das, um zu schauen, wo Freunde gerade im Urlaub sind. Andere schicken bewusst ihren Standort, damit sie wissen, wo man sich gerade aufhält. Und schließlich kann man bei entsprechender Einstellung auch sehen, wo die Ehefrau gerade ist.

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Partner spionieren Frauen aus

Eher harmlos wäre es, so das Abendessen auf die Minute genau zur Heimkehr von der Arbeit aufzutischen. Schlimmer ist es, wenn so die Partnerin ausspioniert wird. Im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen berichten Einrichtungen, dass Frauen von ihren Partnern an bestimmten Orten aufgelauert wurde. Birgit Ridder-Stockkamp von der Caritas Beratungsstelle in Papenburg sagt, dass Betroffene so etwa trotzdem von ihren gewalttätigen Männern im Frauenhaus aufgespürt werden können. Und das auch dann, wenn die Frauen ihre Handys abgeben. "Dann sind vielleicht die Kinder soweit, dass sie ihren Vätern schreiben", sagt Ridder-Stockkamp. Und schon könne der Mann das Frauenhaus orten. Der Partner sei oftmals wie ein dunkler, bedrohlicher Schatten ständig präsent, so die Sozialarbeiterin.

Digitale Gewalt unabhängig vom sozialen Status

Das sei eine Form von Macht und Kontrolle, sagt Ridder-Stockkamp, und gehöre zur häuslichen Gewalt. "Wir beraten diese Frauen, wir nehmen sie ernst." Die Beratung sei kostenfrei und anonym. Weil es ständig neue Formen der digitalen Kontrollen gibt, lassen sich die Beraterinnen auch regelmäßig fortbilden und stehen in engem Kontakt mit der Polizei. Die Probleme träten unabhängig vom sozialen Status auf, sagt Heike Gertken vom Sozialdienst Katholischer Frauen in Meppen im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Zu den Beratungsstellen kämen Frauen aus allen Bildungs- und Einkommensschichten, mit und ohne Migrationshintergrund.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 23.08.2019 | 17:00 Uhr

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