Stand: 07.10.2019 19:31 Uhr

IG Bau stellt Reinigungsfirmen an den Pranger

In ihrem "Dirty-Job-Pranger" im Internet zeigt die Gewerkschaft, welche Bedingungen die Reinigungsfirmen in die neuen Verträge schreiben.

Gebäudereiniger ist kein Beruf, mit dem man reich werden kann. Die zuständige Gewerkschaft IG Bau bezeichnet ihn gar als "Dirty Job", als Drecksjob. Und zwar nicht nur, weil man Dreck wegmacht. Sondern vor allem, so die Gewerkschaft, weil viele Reinigungsunternehmen derzeit versuchten, ihre Mitarbeiter noch billiger zu beschäftigen als ohnehin schon. Solche Unternehmen stellt die IG Bau nun nach eigenen Angaben öffentlich an den Pranger - auf ihrer Internetseite. Start war am Montag - mit dem Dienstleister Piepenbrock aus Osnabrück.

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"Dirty Job": IG Bau prangert Reinigungsfirmen an

Niedersachsen 18.00 -

Die IG Bau wirft Arbeitgebern in der Reinigungsbranche vor, Mitarbeiter bei Lohn und Urlaubstagen zu benachteiligen. Die entsprechenden Firmen prangert die Gewerkschaft nun im Internet an.

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Zuschläge halbiert, acht Tage weniger Urlaub

Auf der Internetseite zeigt die Gewerkschaft den Vertrag eines Gebäudereinigers, der dem Mann von Piepenbrock "aufs Auge gedrückt" worden sei, so die Gewerkschaft. Darin seien unter anderem die Zuschläge für Sonntagsarbeit und Überstunden in der Nacht halbiert worden. Urlaubstage hingegen würden gar nicht erwähnt. Damit stünden dem Mann nur die 20 gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstage zu - acht weniger als zuvor, heißt es von der IG Bau. "Zuvor" bedeutet: Als die Gebäudereiniger noch einen Rahmentarifvertrag hatten. Ende Juli hatte der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks diesen gekündigt. Seitdem drängten viele Arbeitgeber ihre Beschäftigten dazu, geänderte Arbeitsverträge zu unterschreiben, so der Vorwurf der Gewerkschaft.

Jeden Tag ein weiteres Unternehmen am Pranger

Das Unternehmen Piepenbrock dementiert dies: "Bestehende Arbeitsverträge wurden und werden nicht verändert", sagte ein Sprecher NDR 1 Niedersachsen. Für neue Mitarbeiter greife man derzeit auf gesetzliche Vorschriften zurück oder auf individuelle Regelungen. In der Region Weser-Ems sind insgesamt rund 32.000 Menschen in der Gebäudereinigung beschäftigt. Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten in der vergangenen Woche bereits in der sechsten Runde über einen neuen Tarifvertrag verhandelt - jedoch erneut ohne Ergebnis. Die IG Bau will den Druck nun mit weiteren Streiks erhöhen. Dazu gehört auch, dass sie angekündigt hat, täglich ein weiteres Unternehmen an den "Dirty-Job-Pranger" zu stellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 07.10.2019 | 17:00 Uhr

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