Stand: 05.07.2018 21:25 Uhr

Heftige Debatte nach Elefantensturz in Manege

Plötzlich geht es ganz schnell am Rande der Manege im Circus Krone: Gerade noch haben sich die drei indischen Elefantenkühe "Bara", "Burma" und "Mala" um die eigene Achse gedreht, dann wird die "Mala" von den beiden anderen Tieren in die Zuschauerloge geschubst. Sie stürzt, verletzt dabei einen Mann und bleibt auf dem Rücken liegen. Der Vorfall im Zirkus am Mittwochnachmittag in Osnabrück sorgt für eine heftige Debatte und wirft Fragen auf - im Allgemeinen und im Speziellen: Ist es noch zeitgemäß, mit Wildtieren durchs Land zu ziehen? Hätte der Sturz der Elefantendame verhindert werden können? Wie geht es nun weiter?

Elefanten in der Mange des Circus Krone.

Osnabrück: Zirkuselefant stürzt in Zuschauerloge

Hallo Niedersachsen -

Bei der Premiere im Circus Krone in Osnabrück ist eine Elefantenkuh in den Zuschauerrang gefallen. Zwei Artgenossen hatten sie attackiert. Wie konnte dieser Zwischenfall passieren?

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Zuschauer erlitt Schürfwunde, blieb aber im Zirkuszelt

Dass bei dem Vorfall, über den die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) zuerst berichtet hatte, nichts Schlimmeres passierte, war offenbar großes Glück: Bei "Malas" Sturz erlitt der Zuschauer eine Schürfwunde am Bein. Er sei noch vor Ort von Sanitätern behandelt worden, sagte Frank Keller, der Tierschutzbeauftragte des Zirkus. Der Mann hätte die Show weiterverfolgen können, sagte Zirkus-Chefin Jana Mandana Lacey-Krone NDR 1 Niedersachsen. Sie selbst dressiert die Elefanten und Pferde. Sie sei dankbar, dass nicht mehr passiert ist. Ihre Tiere, denen es nach dem Vorfall gut gehe, seien grundsätzlich nicht aggressiv gegen Menschen.

Erste Konsequenz: Nur noch ein Elefant in der Manege

Die Verantwortlichen sind auf der Suche nach der Ursache für das Verhalten der Elefanten. Während es anfangs noch hieß, eine solche Rangelei in der Herde sei üblich, präsentiert Lacey-Krone nun eine mögliche Erklärung: Im vergangenen November sei ein Elefant der Herde gestorben. Die Gruppe müsse sich nach einer Trauerphase noch finden. Eigentlich passiere das abseits der Manege. Die Konsequenz für die Show: Man werde vorläufig nur einen Elefanten in die Manege schicken. "Wir müssen jetzt erst mal zur Ruhe kommen und schauen, wie sich die neue Struktur der Herde darstellt", erklärte Lacey-Krone weiter. Darauf müsse man Rücksicht nehmen.

Videos
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Klomburg: Es ging um die Rangordnung

In Osnabrück ist ein Elefant im Zirkus in die Zuschauerränge geschubst worden. Offenbar kämpfen die Elefanten dort um die Rangordnung, sagt die frühere Zoodirektorin Susanne Klomburg. Video (01:59 min)

Klomburg sicher: "Das war eine Attacke"

Die ehemalige Osnabrücker Zoodirektorin Susanne Klomburg hat auch eine Erklärung für den Zwischenfall: Im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen sagte sie, die Elefanten hätten offensichtlich eine Rechnung miteinander offen gehabt: "Das war eine Attacke." Mit Menschen habe diese aber nichts zu tun gehabt. "Die beiden Elefanten wollten sicher den dritten nicht verletzen oder gar töten", sagte Klomburg. "Aber Elefanten haben eine sehr klare Rangordnung. Und die beiden wollten eindeutig klären, dass sie die Chefs sind."

Wildtierzirkus-Verbot von Gericht gekippt

Die Diskussion um Wildtiere in Zirkussen, die in niedersächsischen Städten gastieren, ist nicht neu - und wurde erst vor knapp drei Jahren auch in Osnabrück geführt: Der Rat der Stadt hatte im Dezember 2015 beschlossen, kommunale Flächen nur noch Zirkusbetrieben zur Verfügung zu stellen, die keine wild lebenden Tiere wie Bären, Elefanten oder Raubkatzen zeigen. Einen solchen Beschluss hatte es auch in Hameln gegeben. Doch sie seien rechtswidrig, urteilte das Verwaltungsgericht Hannover 2016 und folgte damit einem Eilantrag des Zirkusunternehmens Charles Knie.

Tierschutzbund fordert Wildtierverbot

Den Einsatz der Wildtiere hält der Deutsche Tierschutzbund für unangebracht. Ähnlich äußern sich auch viele Nutzer auf NDR.de und bei Facebook. Die Elefanten seien im Zirkus lange Zeit eingesperrt, zudem entstehe beim Training Stress. Der könne sich dann eben in der Gruppe entladen. Man sei froh, dass in Osnabrück weder Mensch noch Tier ernsthaft zu Schaden gekommen sei, sagte Dieter Ruhnke, der Landesvorsitzende des Tierschutzbunds. "Dennoch zeigt der Vorfall, wie riskant die Zurschaustellung von Wildtieren in der Manege ist." Für James Brückner, Leiter des Artenschutzreferats beim Deutschen Tierschutzbund, ist ein Wildtierverbot im Zirkus nicht nur aus Tierschutzgründen, sondern auch im Hinblick auf die Gefährdung von Menschen "unumgänglich". "Die Politik hat neben dem Tierschutzaspekt bisher die mögliche Gefährdung der öffentlichen Sicherheit nicht ausreichend berücksichtigt", sagte Brückner.

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 05.07.2018 | 18:00 Uhr

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