Stand: 18.02.2019 06:49 Uhr

Hängepartien im Stall: Frust bei Schweinehaltern

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Enge Kiste: Auch die sogenannten Kastenstände sorgen für viel Diskussionsbedarf unter Schweinehaltern und Tierschützern. (Archiv)

Schweinefleisch ist nicht mehr gefragt - zumindest nicht mehr so wie einst. Die Nachfrage sinkt seit Jahren, dazu gibt es für die deutschen Viehzüchter starke Konkurrenz, etwa aus Spanien. Und das sind längst nicht die einzigen Sorgen, die die Schweinehalter in Niedersachsen umtreiben: Drei wichtige Streitpunkte haben sich über die Zeit zu echten Hängepartien entwickelt. Heute treffen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Münster (Nordrhein-Westfalen), um das weitere Vorgehen zu diskutieren.

Kastration, Kastenstand, Kupieren

Die drei Punkte sind: Kastration, Kastenstand und Kupieren. Alle drei eint die Tatsache, dass auf eine Entscheidung gewartet wird - und das teilweise seit Jahren. Die betäubungslose Kastration von Ferkeln etwa sollte es schon gar nicht mehr geben, doch kurz vor Ende des Jahres 2018 entschied die Große Koalition in Berlin einen Aufschub von zwei weiteren Jahren. Tierschützer liefen Sturm gegen die Verlängerung. Nun wird weiter gewartet und zwar auf eine entsprechende Verordnung des Bundes, die erst Ende 2019 kommen soll.

Urteil vom OVG Magdeburg

Beim Kastenstand in der Sauenhaltung sieht es ähnlich aus. Nur gibt es hier eine Entscheidung und zwar vom Oberverwaltungsgericht Magdeburg aus dem Jahr 2016. "Unrechtmäßig", urteilten die Juristen damals. Aber neue Vorschriften, wie die Ställe denn nun aussehen sollen, gibt es trotzdem nicht, weil sich Bund und Länder nicht einigen können. Die Folge: Auch hier warten wieder alle Seiten auf eine klare Ansage - inklusive der Tierschützer.

Greenpeace: Klöckner hat nichts getan

Punkt drei: das Kupieren. Dabei geht es um das Abschneiden der Ringelschwänze der Tiere. Eigentlich ist diese Praxis, die die Verletzungsgefahr in den Ställen mindern soll, europaweit längst verboten. Doch die Umweltschutzorganisation Greenpeace bemängelt, dass Schweine weiterhin kupiert würden. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe nichts getan, um diese Lage zu verbessern. Dabei gibt es hier eine klare Rechtslage: Im September 2018 haben sich die Agrarminister auf den sogenannten Nationalen Aktionsplan Kupierverzicht geeinigt. Nur ein Papiertiger? "Die Betriebe werden damit alleingelassen", sagt Ulrich Jasper, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft.

Der Bauer und die Bürokraten

Die Bauern und die Behörden, das ist derzeit keine wirkliche Liebesgeschichte. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter, beschreibt ein Beispiel: Ein Landwirt will seinen Stall umbauen, damit seine Tiere nach draußen können, an die frische Luft. Tierschützer befürworten das, aber die Behörden bremsen. Denn: Es gibt noch keine Kennzahlen zu den Emissionswerten für sogenannte Außenställe. Also muss abgewartet werden und der Frust steigt auf allen Seiten. Es wird viel zu bereden geben in Münster bei der Mitgliederversammlung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.02.2019 | 08:00 Uhr

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