Geflügelpest: Weitere Regionen verhängen Stallpflicht

Stand: 17.11.2020 08:11 Uhr

Viele Landkreise und kreisfreie Städte vor allem im Nordwesten Niedersachsens haben für Geflügel zum Schutz vor der Vogelgrippe Stallpflicht verordnet. Jetzt ist auch der Landkreis Harburg betroffen.

Dort müssen Hühner, Gänse und Enten seit Dienstag im Stall bleiben. Draußen dürfen die Tiere nur noch gehalten werden, wenn das Gelände so geschützt ist, dass keine Wildvögel eindringen können. Der Landkreis Harburg begründet die Maßnahme damit, dass bei einer toten Graugans, die vor einer Woche entdeckt worden war, das Vogelgrippevirus nachgewiesen wurde.

Nordwesten wegen hoher Geflügeldichte stark gefährdet

Auch in anderen Regionen wurde das Virus bereits bei toten Wildvögeln nachgewiesen. Die von der Stallpflicht betroffenen Landkreise haben eine hohe Geflügeldichte oder sind besonders gefährdet, weil dort viele Zugvögel rasten. So ist die Stallpflicht unter anderem in den Landkreisen Stade, Diepholz, Vechta, Ammerland, Leer, Emsland und Grafschaft Bentheim bereits seit vergangener Woche in Kraft. In Stadt und Landkreis Osnabrück müssen Hühner, Enten und Gänse seit Montag im Stall bleiben.

Keine landesweite Empfehlung

Eine landesweite Empfehlung für eine Stallpflicht will Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) indes nicht aussprechen. Das teilte die Ministerin am Mittwochnachmittag nach einer Telefonkonferenz mit Vertretern aus besonders betroffenen Landkreisen mit. Die Landkreise können selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie ergreifen. Otte-Kinast begründete dies mit den sehr unterschiedlichen Gegebenheiten in Niedersachsen. So seien die Landkreise an der Küste vor allem wegen der zahlreichen Zugvögel mehr gefährdet als andere Kreise. Für Gebiete mit besonders viel Geflügelhaltung sei die Ausgangslage wieder eine andere.

Hier gilt Stallpflicht oder ist noch in Planung

  • Ammerland
  • Aurich
  • Cloppenburg
  • Cuxhaven
  • Stadt Delmenhorst
  • Diepholz
  • Stadt Emden
  • Emsland
  • Friesland
  • Grafschaft Bentheim
  • Landkreis Harburg
  • Leer
  • Stadt und Landkreis Oldenburg
  • Stadt und Landkreis Osnabrück
  • Osterholz
  • Stade
  • Vechta
  • Wesermarsch
  • Stadt Wilhelmshaven
  • Wittmund

Übrige Regionen müssen Risiko stets neu bewerten

Das Landwirtschaftsministerium hat die übrigen Veterinärämter im Land aufgefordert, ihre Risikobewertungen fortlaufend zu aktualisieren. "Ich weiß, was das für eine schwierige Aufgabe ist, das Freilandgeflügel einzustallen", sagte die Ministerin. "Aber wir hoffen, dass wir mit diesen regional und zeitlich begrenzten Maßnahmen den Übergriff der Vogelgrippe auf unsere Geflügelhaltungen verhindern können."

Landkreis Peine mahnt zur Vorsicht

Der Landkreis Peine appelliert an alle Geflügelhalter, sich rechtzeitig mit der Situation auseinanderzusetzen und vorbeugende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. "Da der Vogelzug bereits in vollem Gange ist, besteht ein hohes Risiko, dass erkrankte Wildvögel aus betroffenen Gebieten beim Weiterzug die Krankheit in bisher nicht betroffene Gebiete einschleppen", sagte Kreissprecher Fabian Laaß. In jeder Geflügelhaltung komme es daher jetzt besonders auf die Einhaltung der ohnehin gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen an. "Wenn Geflügel weiter im Freien gehalten werden soll, ist unbedingt auf den Schutz des Geflügelbestandes vor dem Kontakt mit Wildvögeln zu achten", so Laaß. Eine Aufstallung sei allerdings freiwillig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 17.11.2020 | 08:30 Uhr

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