Stand: 24.11.2017 14:14 Uhr

Frohe Weihnacht - mit Pollern und Polizisten

von Josephine Lütke

Am Donnerstagmorgen biegen zwei Sattelzüge auf den Osnabrücker Domhof. Ihre Ladung: zwei Stahlsperren, jeweils 5,5 Tonnen schwer und fast 5 Meter breit. Sie sollen den Weihnachtsmarkt vor Angriffen mit Fahrzeugen schützen. Die Buden stehen schon. Ab Freitag gibt es hier gebrannte Mandeln, Weihnachts-Deko und Glühwein. "Absperrungen gehören mittlerweile zum Standard", sagt Frank Oevermann, Sprecher der Polizei. Mehrfach saßen Vertreter der Stadt und der Polizei zusammen, um das Sicherheitskonzept für den Weihnachtsmarkt zu besprechen. Polizeibeamte, Zivilstreifen und auch die Bereitschaftspolizei werden da sein - wie in den vergangenen Jahren auch. Die Stahlsperren aber sind neu. Eine konkrete Gefährdungslage gebe es nicht, so der Polizeisprecher. Eine latente Gefahr bestehe aber immer.

Eine Barriere.

Osnabrück: Mit Stahlsperren gegen Terroristen

Hallo Niedersachsen -

Um Weihnachtsmarktbesucher vor möglichen Terroranschlägen zu schützen, stellt die Stadt Osnabrück Stahlsperren auf den Märkten auf. Sie können einen 7,5-Tonner aufhalten.

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Für ein Gefühl der Sicherheit

Um ein Gefühl der Sicherheit auf den Weihnachtsmärkten zu vermitteln und für den Ernstfall gewappnet zu sein, rüsten viele Städte jetzt auf. Bereits zur Maiwoche, dem größten Osnabrücker Stadtfest, hatte die Stadt Betonklötze aufgestellt. Doch die Straße vor dem Dom dürfe für Rettungswagen, die Feuerwehr oder Anwohner nicht komplett unbefahrbar sein, sagt Jürgen Wiethäuper von der Stadt Osnabrück. Die neuen Sperren seien flexibler als die starren Betonklötze. Sie können heruntergeklappt werden. Autos können dann einfach darüber fahren. Dafür werden zwei Angestellte neben den Sperren stehen. 100.000 Euro hat die Stadt für die beiden Stahlkolosse bezahlt. Die Sperren sollen auch bei künftigen Großveranstaltungen eingesetzt werden.

Mehr Sicherheit? Osnabrück setzt auf Stahl

Absperrungen in zahlreichen Städten

Auch die Stadt Oldenburg will künftig investieren. Versenkbare Poller sind hier im Gespräch, sagte ein Sprecher der Stadt. Jetzt zum Weihnachtsmarkt sichern Betonklötze die Zufahrten. "Wie Legosteine werden immer zwei übereinander gestellt", sagte Stadtsprecher Stephan Onnen. Ein Hindernis wiegt 2,4 Tonnen. Die Klötze sollen versetzt aufgestellt werden, Lastwagen stehen in den Zwischenräumen. Ähnlich sieht es das Göttinger Sicherheitskonzept vor: Fahrzeuge und Betonklötze sollen aufgestellt werden. Findlinge und schwere Blumenkübel sollen Fahrzeuge dazu zwingen, ihre Geschwindigkeit zu reduzieren. Damit Rettungsfahrzeuge oder andere Autos mit einer Zufahrtsberechtigung trotzdem durchkommen, werden laut der Stadt Göttingen Ketten zwischen den Betonklötze gespannt, die vom Sicherheitspersonal geöffnet werden können.

"Weihnachtsmarkt soll keine Festung werden"

In Braunschweig sollen Leitplanken die Straßen verengen, die zum Weihnachtsmarkt führen, heißt es vom Stadtmarketing. Barrieren sollen die Geschwindigkeiten regulieren und auch Poller werden aufgestellt. In Lüneburg werden Betonpoller aufgestellt. Die Stadt solle jedoch nicht zu einer Festung werden, sagte eine Sprecherin der Stadt. Das entspreche nicht dem Gedanken des Weihnachtsmarktes.

Hannover: Polizist statt Poller

Eher offen gestaltet auch Hannover seinen Weihnachtsmarkt. Dort gibt es keine Betonpoller - würde man die aufstellen, müsste praktisch die ganze Innenstadt abgesperrt werden, erklärte Polizeipräsident Volker Kluwe. Anders als in anderen Städten verteile sich der Weihnachtsmarkt in Hannover auf mehrere Standorte. Für den Schutz sorgen in der Landeshauptstadt daher Polizisten. Sie sollen die wesentlichen Zufahrtswege bewachen und auch in größerer Zahl zwischen den Marktbuden Streife gehen. "Wir setzen sehr auf sichtbare Präsenz", so Kluwe. "Es werden Fußgängerstreifen unterwegs sein, auf dem Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone, die mit gelben Warnwesten deutlich erkennbar und auch ansprechbar sind." An der Marktkirche werde in einem Container zudem eine zusätzliche Polizeiwache untergebracht.

"Keine konkreten Hinweise auf Gefahrensituation"

Wie die niedersächsischen Städte ihre Weihnachtsmärkte schützen, müssen sie in Abstimmung mit den lokalen Behörden selbst entscheiden. Überregionale Empfehlungen vom Landeskriminalamt oder vom Innenministerium gibt es nicht. "Vor Ort sind die Experten", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Alle seien wachsam und sensibilisiert. Konkrete Hinweise auf eine Gefahrensituation gebe es in Niedersachsen allerdings nicht, so der Sprecher weiter. Es sei vielmehr eine abstrakte Bedrohungslage. Wie die Besucher der niedersächsischen Weihnachtsmärkte auf die Barrikaden reagieren, wird sich zeigen. In Osnabrück habe die Stadt jedoch bisher gute Erfahrungen gemacht, sagt Jürgen Wiethäuper. Als bei der Maiwoche die ersten Betonpoller standen, seien die Reaktionen positiv gewesen. "Die Menschen hatten Verständnis und fühlten sich sicherer", so Wiethäuper.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 23.11.2017 | 19:30 Uhr

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