Stand: 28.12.2016 14:52 Uhr

Freie Fahrt für Gigaliner in Niedersachsen

Sie wurden in den vergangenen zehn Jahren bundesweit getestet, nun steht fest: Die sogenannten Gigaliner - offiziell Lang-Lkw genannt - gehen unter anderem in Niedersachsen ab dem 1. Januar in den Regelbetrieb. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat ein positives Fazit aus der Testphase gezogen: Zwei Fahrten mit den Lang-Lkw könnten künftig drei mit herkömmlichen ersetzen.

Styropor geeignet, Stahl nicht

Die "Gigaliner" dürfen zwar wie herkömmliche Lkw auch nur bis zu 40 Tonnen schwer sein, allerdings sind sie mit etwa 25 Metern sechseinhalb Meter länger. So kann mehr von leichten Gütern wie etwa Styropor transportiert werden. Stahl hingegen ist eher ungeeignet. Die Befürworter erhoffen sich weniger Verkehr auf den Straßen und weniger CO2-Ausstoß, auch der niedersächsische Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) gehört dazu. Kritiker wie die Interessengemeinschaft "Allianz pro Schiene" kritisieren die Lang-Lkw als teurer, umweltschädlicher und gefährlicher für alle Verkehrsteilnehmer.

Lies: "Effizienzgewinne und Kraftstoffersparnisse"

Minister Lies sagte laut Pressemitteilung, dass der Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur durch Lang-Lkw nicht erhöht werde. "Effizienzgewinne und Kraftstoffersparnisse von bis zu 25 Prozent wurden gemessen." Straßen würden sogar eher entlastet, da das Gewicht besser auf mehrere Achsen verteilt ist. Auch Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße seien nicht festgestellt worden.

"6.000 Lkw mehr auf den Straßen"

Die Allianz pro Schiene hingegen moniert, dass die Versuche mit viel zu wenigen Lkw stattgefunden hätten. "Der zuerst unterdrückte und jetzt klammheimlich veröffentlichte Abschlussbericht zeigt, wie wenig aussagekräftig der Test war: Der Bericht listet auf, dass in fünf Jahren lediglich 59 Speditionen mit 158 Lkw angemeldet waren." Wie viele davon tatsächlich gefahren sind, sei der untersuchenden Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) nicht bekannt. "Mit Wissenschaft hat das überhaupt nichts mehr zu tun", kritisierte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege. Auch dass wegen der Kostengewinne durchaus eine Verlagerung von der Schiene auf die Straßen zu erwarten sei, zeigten Praxiserfahrungen und Studien in Schweden. "Nach unserer Berechnung werden täglich bis zu 6.000 Lkw zusätzlich auf Deutschlands Autobahnen fahren - und die sind dann auch noch länger", sagte Flege.

Nicht in allen Bundesländern erlaubt

Wie gut oder schlecht - vereinfacht ausgedrückt - die "Gigaliner" also sind, wird sich wohl erst in den kommenden Jahren zeigen. Allerdings: Ohne Probleme dürfte der Regelbetrieb nicht ablaufen. Berlin, das Saarland und auch Nordrhein-Westfalen erlauben vorerst keine "Gigaliner" auf den Straßen. Wenn aber ein Lkw-Fahrer einer niedersächsischen Spedition beispielsweise von Osnabrück nach Hannover fährt, müsste er durch Nordrhein-Westfalen. Das aber ist mit Lang-Lkw auch ab Januar nicht erlaubt. Die Fahrer müssen also lange Umwege in Kauf nehmen oder doch beim Transport mit herkömmlichen Lastwagen bleiben.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 28.12.2016 | 16:00 Uhr

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