Das Bild zeigt zeigt den Besitzer eines Retro-Tante Emma Ladens im Emsland. © NDR Foto: Hedwig Ahrens

Emsland: Tante-Emma-Laden auf dem Dachboden nachgebaut

Stand: 17.01.2021 08:43 Uhr

Die Zeit der Tante-Emma-Läden ist auch in Niedersachsen längst abgelaufen. Im nördlichen Emsland hat ein Sammler einen solchen Laden originalgetreu auf dem Dachboden nachgebaut.

Der Besuch im nachgebauten Geschäft von Heinrich Schepers ist wie eine Zeitreise in die 1970er-Jahre: Auf einem historischen Verkaufstresen steht ein drehbarer Ständer mit Bonbongläsern, beleuchtet von alten Reklamelampen. In Wandregalen sind Markenblechdosen mit Kaffee, Tee und Gewürzen aufgereiht. Von Zigarettenstangen bis zu Waschmittel: Schepers' Laden führt alles - selbstverständlich originalverpackt.

Experte fürs Kaufmannsuniversum

Zu vielen Dingen in seinem Laden, die die Zeit überdauert haben kann Schepers Geschichten erzählen. So gab es in den Tante-Emma-Läden auch Knöpfe. Diese Druckknöpfe für Hosen seien leicht anzunähen gewesen, sagt er. Deshalb nannte man sie auch "Junggesellenknöpfe". Beim Sammeln der Waren achtet der Emsländer darauf, dass die Produkte keinen Strichcode besitzen und die Herstellerpostleitzahl noch vierstellig ist - also noch aus der Zeit vor der Wende von 1989 stammt. Schepers steht in einem original weißen Verkaufskittel hinter dem Tresen und hat zu jedem Artikel einen Werbespruch auf den Lippen. "Persil - da weiss man, was man hat", sagt er. Das Waschmittel kostete früher 38 Pfennig. Das sei laut der Gebrauchsanweisung universell einsetzbar gewesen. Man könne damit baden oder das Auto waschen, liest Schepers vor.

Inventar aus geschlossenen Geschäften gerettet

"Ich sammele jetzt seit rund 35 Jahren", sagt Schepers, der gelernter Großhandelskaufmann in der Lebensmittelbranche ist. "Ich habe auch das Aussterben der Tante-Emma-Läden erlebt." Er sei oft am letzten Tag noch mal da gewesen. Ein Satz den er damals häufig von den Kunden hörte ist ihm in Erinnerung geblieben: "Oh, das ist ja schade, dass Ihr schließt. Das war immer so praktisch, wenn wir was beim Großeinkauf vergessen hatten." Doch mit dieser Käufermentalität habe keines der kleinen Geschäfte überleben können. Als die Läden dann für immer schlossen, habe er nicht nur die Reklameschilder vor der Mülltonne gerettet. Die Kasse in seinem Laden stammt aus Ostfriesland und rechnet selbstverständlich in Deutscher Mark und Pfennig ab. Damals war an den Euro noch nicht zu denken.

Auch alte Scheine und Münzen gehören zur Sammlung

Als Schepers die Kasse aufstellte, ein paarmal daran drehte und sie aufsprang, dachte er: Eigentlich müsste auch Geld darin liegen. Alte Scheine und Münzen hat der Sammler über die Jahrzehnte ebenfalls aufgehoben - und nicht wie die meisten Deutschen alles in Euro umgetauscht. So konnte er die Geldfächer der historischen Kasse füllen. Der Blick in die Kasse lässt wahrscheinlich bei Kindern des westdeutschen Wirtschaftswunders die Herzen höher schlagen. Scheine, auf denen noch Werke Albrecht Dürers, die "Gorch Fock" oder das Lübecker Holstentor zu sehen sind - alles längst passé. Bislang bekommen nur ehemalige Ladenbesitzer und gute Bekannte Zutritt zu seinem historischen Kaufmannsladen. Das wolle er ändern, sagt Schepers. Langfristig möchte er seinen Tante-Emma-Laden der Öffentlichkeit zeigen - auch weil der Laden auf dem Dachboden mittlerweile fast aus allen Nähten platzt.

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