Einigkeit auf Meyer Werft über Jobabbau: 450 müssen gehen

Stand: 29.07.2021 11:18 Uhr

Bei der Papenburger Meyer Werft werden 450 Stellen abgebaut. Das ist das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmerseite, das am Mittwoch vorgestellt wurde.

Nachdem die Fronten im größten deutschen Schiffbaubetrieb über Monate verhärtet waren, hat den Angaben zufolge Niedersachsens früherer Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) die Verhandlungen erfolgreich moderiert.

Am Anfang hieß es, 1.000 Beschäftigte müssen gehen

Bei der Meyer Werft selbst wird es einen Abbau von 350 Beschäftigten geben, 100 Mitarbeitende müssen das Tochterunternehmen EMS Maritime Services verlassen. Die Geschäftsführung der Meyer Werft wollte ursprünglich mehr als 1.000 von insgesamt 3.900 Arbeitsplätzen abbauen. Zuletzt war davon die Rede, mindestens 660 Stellen zu streichen. "Wir haben es geschafft, die Zahlen zu reduzieren", sagte Betriebsratschef Nico Bloem auf einer Betriebsversammlung. Er sprach von einem "akzeptablen Kompromiss".

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Abbau mit Freiwilligenprogramm und Transfergesellschaft

Wegen der Krise der Kreuzfahrtbranche hat die Werft 40 Prozent weniger Arbeit und will 1,2 Milliarden Euro einsparen. Ein Freiwilligenprogramm und eine Transfergesellschaft sollen die Zahl betriebsbedingter Kündigungen möglichst klein halten. Die verbleibenden Mitarbeitenden werden dafür 100 Stunden im Jahr unentgeltlich arbeiten. Die Einigung soll bis Ende 2023 gelten. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sprach von einer erfreulichen Vereinbarung "nach nunmehr über einem Jahr zähen Verhandlungen". "Die Sicherung möglichst vieler Arbeitsplätze zumindest bis Ende 2023 ist ein wichtiges Signal für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien, denen die vorherige Unsicherheit bestimmt zugesetzt hat." Mit dieser Einigung sollte es auch möglich sein, dass die Werft zukünftig wettbewerbsfähig bleibt, sagte Althusmann weiter.

"Eine gute Chance für einen Neuanfang"

Von den IG-Metall-Mitgliedern auf der Werft sprach sich eine Mehrheit von 62 Prozent für die Änderungen am Tarifvertrag aus, wie Bloem am Mittwochabend mitteilte. Bei EMS lag die Zustimmung sogar bei 70 Prozent. Auch der Betriebsrat billigte die Vereinbarung mit der Firmenleitung. "Es ist eine gute Chance für einen Neuanfang für die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft", sagt Geschäftsführer Bernard Meyer. Seinen Angaben nach baut die Meyer Werft, vor allem die Rostocker Tochter Neptun, an zwei neuen Tankschiffen für die Bundeswehr mit. In Aussicht stehe auch ein Auftrag über den Bau eines Residenzschiffes mit mehr als 130 Wohnungen.

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