Stand: 15.04.2018 13:36 Uhr

Eine Ballon-Challenge für die Wissenschaft

von Claus Halstrup

Überall auf der Welt schicken derzeit Menschen Wetterballons gen Himmel, 40 Kilometer weit, in die Stratosphäre. Sie machen mit beim "Global Space Balloon Challenge". An all ihren Ballons hängen Sonden, die mit Kameras bestückt sind. Und die liefern sensationelle Bilder, die dann im Internet hochgeladen werden. 523 Gruppen in 65 Ländern sind in diesem Jahr mit dabei. Eine von ihnen kommt aus Niedersachsen, genauer gesagt aus Hagen am Teutoburger Wald südlich von Osnabrück.

Ein Schüler und ein Lehrer füllen einen Wetterballon mit Gas.

Schüler schicken Ballon in die Stratosphäre

Hallo Niedersachsen -

Mehr als 500 Gruppen weltweit ließen im Rahmen der "Global Space Balloon Challenge" Wetterballons mit Kameras in den Himmel steigen. Auch Schüler aus Hagen machten mit.

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Acht Reagenzgläser an Bord

Eine Physik-Chemie-AG der dortigen Oberschule nutzt das Projekt aber nicht nur für schicke Bilder aus luftiger Höhe. Sie wollen außerdem wissen, wie sich das Durchdringen der Ozonschicht auf acht verschiedenen Flüssigkeiten und Materiale auswirkt, die in Reagenzgläsern an der Sonde befestigt sind: eine Pflanze, der natürliche grüne Farbstoff Chlorophyll, Wasser, eine Salz- und eine Kupfersulfat-Lösung, Ethanol, Frostschutz und ein Gummiring.

Mit 5.000 Liter Helium in Richtung Stratosphäre

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Auf diesen Moment haben Schüler und Lehrer ein Jahr lang hingearbeitet: Vom dem Sportplatz startet der Ballon in die Stratosphäre.

Ein Jahr lang wurden die 20 Schüler aus den Klassen 7 bis 10 von ihren Lehrern Astrid Möller (Physik) und Rolf Schwake (Chemie) auf diesen Moment vorbereitet: Mit Handschuhen bestückt pumpt die Projektgruppe auf dem Sportplatz neben der Schule 5.000 Liter Helium in den Latex-Ballon - exakt die Menge, die man laut ihren Berechnungen braucht, um den Ballon steil nach oben in die Stratosphäre zu schicken. Kein Stein, keine scharfe Kante darf ihn berühren. Schon ein winziger Kratzer wäre fatal und würde das Fluggerät schnell zum Platzen bringen. Alle Mühen wären umsonst gewesen - inklusive der rund 3.500 Euro, die das Projekt gekostet hat. Doch alles geht gut, auch die Flutlichtanlage wird weiträumig umflogen. Mit der gerade mal knapp ein Kilogramm schweren Sonde geht es auf die Reise in die Minus 60 Grad kalte Zone. An Bord: ein Handy, das den Ballon filmt und zwei GoPros. Eine filmt die Reagenzgläser, die andere in Richtung Erde.

Sonde baumelt 16 Meter über der Erde

Am Nachmittag dann der erste Handykontakt. Heißt: Der Ballon ist geplatzt und die Sonde am Fallschirm wieder so nah an der Erde, dass sich das Handy einloggen kann. Kurz darauf die Info per GPS: Die Sonde befindet sich 60 Kilometer entfernt in Bippen nordwestlich von Osnabrück - natürlich mitten in einem unbefahrbaren Waldgebiet. Nach einem zweistündigen Marsch querfeldein sichten die Schüler ihren Styroporkasten. Er baumelt an einem Baum, 16 Meter über der Erde. Mittlerweile ist es dunkel geworden. Erst nach weiteren drei Stunden und vielen Versuchen halten Schüler und Lehrer ihre mit High-Tech ausgestattete Sonde wieder in Händen.

Das Chlorophyll ist nicht mehr grün

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Wie der Ausflug in die Stratosphäre sich auf die Stoffe in den Reagenzgläsern ausgewirkt hat, wird noch ausgewertet. Tolle Aufnahmen gibt es jetzt schon.

Auch die acht Reagenzgläser haben den Ausflug in die Stratosphäre wohlbehalten überstanden. gleich auf den ersten Blick fällt auf: Und der erste Blick auf das Chlorophyll zeigt: Das Ozon, die Kälte und sicher auch die Höhe haben dafür gesorgt, dass das Chlorophyll seine grüne Farbe gänzlich verloren hat. "Die Folge ist, dass die Pflanze ihre Arbeit, die Photosynthese, nicht mehr bewerkstelligen kann", sagt Chemie-Lehrer Rolf Schwake. Eine weitere, ausgiebigere, fächer- und klassenübergreifende Auswertung des Ballonflugs werden Schüler und Lehrer dann in den kommenden Wochen vornehmen. Erst einmal werden sie belohnt: mit sensationellen Bildern aus der Stratosphäre, 40 Kilometer über unseren Köpfen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 14.04.2018 | 19:30 Uhr

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