Stand: 06.09.2017 19:45 Uhr

Bist Du groß geworden! Emsland feiert sich selbst

40 Jahre Landkreis Emsland - das ist eine Erfolgsgeschichte: Und zwar eine, die so einst niemand erwartet hätte. Arm und rückständig war die Region, der junge Leute mangels Zukunftsperspektiven möglichst schnell den Rücken kehrten. Heute freut sich der Landkreis Emsland, der am 1. August 1977 aus Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen entstand, über Zuzug und eine zufriedene, friedliche (wenn auch trinkfreudige) Jugend. Mit einem Festakt hat der Landkreis am Mittwoch seinen Geburtstag gefeiert.

Kühe auf einer Wiese an einem Fluß

Landkreis Emsland wird 40 und feiert

Hallo Niedersachsen -

1977 entstand aus den ehemaligen Kreisen Lingen, Meppen und Aschendorf-Hümmling der Lankreis Emsland. Die Erfolgsgeschichte wird in Meppen mit einem Festakt gefeiert.

5 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Im Emsland packt man an und hält zusammen

Emsländer sind ein besonderes Völkchen. Ferne Länder reizen sie kaum: Sie bleiben daheim oder ziehen später in ihre Heimat zurück. Emsländer identifizieren sich mit ihrer Region - mehr als das andernorts der Fall ist. Das zeigt zumindest eine Studie des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, die im Auftrag des Bistums Osnabrück und der Caritas die Gründe für den Zuzug untersucht hat. "Die Menschen im Emsland sind es gewohnt, ihre eigenen Belange in die Hand zu nehmen", erklärte Institutsdirektor Reiner Klingholz. "Sie sind sehr engagiert und tun sehr viel für den Zusammenhalt in den Dörfern. Dadurch machen sie das Emsland so lebenswert." Das alles seien Faktoren für Stabilität und damit für den Erfolg.

Bei den Katholiken ist die Welt noch in Ordnung

Weitere Informationen

Jugend im Emsland: Brav, bieder und besoffen

Im Emsland ist laut Kriminologe Pfeiffer die Jugendkriminalitätsrate besonders gering. Der Grund dafür sind Glaube und Gemeinschaft. Einziges Problem: der hohe Alkoholkonsum. (05.07.2011) mehr

Zu Stabilität und Zusammenhalt, so ein Ergebnis der Studie "Von Kirchtürmen und Netzwerken: Wie engagierte Bürger das Emsland voranbringen", tragen nicht zuletzt die Kirchen bei. Im Emsland ist das vor allem die katholische Kirche. Kinder und Jugendliche engagieren sich als Messdiener, Jugendgruppenleiter und singen im Kirchenchor. Das führt offenbar auch dazu, dass sie besonders friedlich durch ihr junges Leben gehen - das jedenfalls stellte Christian Pfeiffer, damals Chef des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, 2011 in einem Gutachten fest. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt ist Jugendgewalt im Emsland demnach außergewöhnlich selten. Und das liegt Pfeiffer zufolge auch an der großen Zahl engagierter junger Katholiken. Wichtiges Stichwort ist auch bei ihm "engagiert": Ein intaktes soziales Netz, der Zusammenhalt und der Einsatz für das Zusammenleben verhindern dem Kriminologen zufolge den Ausbruch von Gewalt.

Nach dem Kirchgang erst mal ein Bier

Auf einem Feld steht in großen Holzbuchstaben das Wort "Landflucht". © Kunst-Kolchose, Neu Karin

Das Emsland trotzt der Landflucht

NDR Info - NDR Info Perspektiven -

Immer mehr Menschen ziehen vom Land in die Stadt. Das Emsland ist eine Ausnahme, die Region wächst. Die "NDR Info Perspektiven" schauen, was dort anders läuft.

4,12 bei 8 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Was Pfeiffer auch feststellte: Im Emsland wird viel und gerne Alkohol getrunken, mehr und früher als in anderen Regionen, auch von Jugendlichen und sogar Kindern. Vielleicht, meinte der Experte, sei das eine negative Folge des regen Zusammenlebens. Vor allem die vielen Volksfeste böten immer wieder Gelegenheit zum Trinken und Mittrinken. Ein Wermutstropfen sicherlich. Immerhin aber scheinen auch betrunkene Emsländer sich weniger häufig zu prügeln, als das anderswo der Fall ist.

Unter dem Strich steht nach 40 Jahren ein Landkreis, der zum Vorbild geworden ist für andere ländliche Regionen, die mit Dörfersterben und Überalterung zu kämpfen haben. Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung, Perspektiven gibt es also offenbar genug. Unternehmen wie die Meyer Werft in Papenburg und Krone Landmaschinen in Spelle sind Faktoren einer boomenden Wirtschaft in diesem ehemals armen, rückständischen Gebiet.

"Erschließung der Ödländereien des Emslandes"

So hieß der Plan, den der Bundestag 1950 beschloss. Die Infrastruktur des Emslands sollte ausgebaut, Betriebe in die Region geholt und die "Ödländereien" landwirtschaftlich genutzt werden. Entscheidend dafür, dass junge Leute nicht wegzogen, waren sicherlich auch Investitionen in kulturelle Angebote. Verantwortlich für die Umsetzung war ab 1951 die "Emsland GmbH" aus Bundesrepublik, Land und den damaligen Landkreisen Aschendorf-Hümmling, Lingen und Meppen sowie der Grafschaft Bentheim, Cloppenburg und Vechta. Bis 1989 arbeitete die Gesellschaft, gut zwei Milliarden Mark wurden in dieser Zeit ins Emsland gesteckt.
Quelle: Landkreis Emsland

Weitere Informationen
mit Audio

Was das Emsland so attraktiv macht

Vielen kleinen Orten macht die Landflucht zu schaffen. Anders ist es im niedersächsischen Emsland, wo Wachstum herrscht. Ein Bericht aus den "NDR Info Perspektiven". (05.04.2017) mehr

Jung und attraktiv: Top-Noten für das Emsland

Das Emsland ist - anders als andere ländliche Regionen - erfolgreich und attraktiv. Das besagt eine neue Studie. Die Emsländer, heißt es, hätten einfach die richtige Einstellung. (23.03.2017) mehr

Zuwanderung: Emsland ist Spitzenreiter

Im Emsland leben heute rund 62.000 Menschen mit Migrationshintergrund. Untypisch ist die starke Zuwanderung in die ländlichen Regionen. (05.02.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 06.09.2017 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:53

Die Wölfe und wir: Eine Kulturgeschichte

20.11.2017 22:45 Uhr
Kulturjournal
02:36

Baltrum: Sparkasse schließt am 1. Dezember

20.11.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:29

Fotoausstellung: Wohnungslose und ihre Stadt

20.11.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen