Stand: 24.03.2018 08:00 Uhr

Autonome Autos: Uni stellt Frage der Moral

Es klingt immer noch futuristisch: Wir rufen ein Auto, das ganz von alleine zu uns kommt. Hineinsetzen, Zeitung lesen oder ein kleines Nickerchen einlegen, mit dem Handy spielen - das Auto kümmert sich völlig autonom ums Fahren. Luxuriös, aber aus Sicht vieler Menschen auch äußerst bedenklich. Gerade erst hat es wieder einen tödlichen Unfall gegeben: In den USA hat ein selbstfahrendes Auto eine Fußgängerin erfasst. Wie "entscheidet" ein autonomes Fahrzeug in einer Gefahrensituation? Die Universität Osnabrück forscht schon lange intensiv an dieser Frage der Moral. Sie hat dazu bereits eine Studie vorgelegt, ihr Experiment jetzt aber ausgeweitet.

"Irgendwann wird die Situation kommen"

Mehr als 200 Personen haben für die Studie der Uni interaktiv getestet, wie sie in brenzligen Situationen reagieren würden. Eigentlich soll das selbstfahrende Fahrzeug wesentlich sicherer sein als der Mensch hinterm Steuer. "Dennoch wird irgendwann mal die Situation kommen, in der ein selbstfahrendes Auto über Leben und Tod entscheiden muss", sagt Maximilian Wächter von der Uni Osnabrück. "Das sind solche Dilemma-Situationen - und die untersuchen wir in unserer Studie."

Menschen brauchen länger, um zu entscheiden

Die Testpersonen hatten vier Sekunden Zeit, sich in einer unausweichlichen Situation zu entscheiden. Wer wird gerettet, wer geopfert? Eben ganz anders als die panische Reaktion eines normalen Autofahrers. "Das ist die bekannte Schrecksekunde", sagt Wächter. "Wenn wir Menschen die Situation haben, auf die wir reagieren müssen, dann dauert es, bis unser Gehirn das verarbeitet hat. Und dann geht der Impuls zurück an den Fuß und dann drücken wird das Bremspedal. Das hat ein autonom fahrendes Fahrzeug nicht, das kann wesentlich schneller, wesentlich präziser handeln."

Was soll das selbstfahrende Auto tun?

Wächter erklärt die Szenarien, denen die Testpersonen begegnet sind: "Wenn jetzt ein Fahrradfahrer ausschert oder ein Kind auf die Straße fährt, relativ schnell, was soll dann passieren? Soll ich ausweichen und eventuell in ein anderes Auto krachen oder soll ich versuchen zu bremsen, auch wenn es nicht mehr möglich ist?" Aber wie sollen sich selbstfahrende Autos in solchen Situationen verhalten? Das ist die große Frage, der die Wissenschaftler nachgehen. Wie soll diese Entscheidung ausfallen und wer soll sie programmieren?

Eine unmögliche Wahl

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Anke Dittmer hat im Test Entscheidungen getroffen, vor denen im wahren Leben wohl niemand stehen möchte.

Für die Testfahrer war es äußerst schwierig, plötzlich Herr über Leben und Tod zu sein - wenn auch nur im hypothetischen Fall. "Man möchte nicht, aber man muss sich entscheiden", sagt Studentin Anke Dittmer. Ihr Vorgehen beim Test: möglichst wenige Menschen umfahren - es sei denn, die kleinere Gruppe besteht aus Kindern. "Dann habe ich Erwachsene genommen oder alte Menschen." Eine schlimme Vorstellung, vor einer solchen Wahl zu stehen. Und die soll dann irgendwann eine Maschine treffen.

Kommentar

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"Im letzten Augenblick verreißt man das Lenkrad"

"Die selbstfahrenden Fahrzeuge werden die ersten Roboter sein, die wirklich über Leben und Tod entscheiden und die moralische Entscheidung treffen müssen", sagt Wächter und stellt eine "provokante Gegenfrage: Wenn man jetzt gerade Auto fährt und man hat einen Unfall, entscheidet man dann moralisch und überdacht? Überlegt man dann? Das tun wir meistens nicht. Meistens ist es so, dass man aus Selbstschutz im letzten Augenblick noch das Lenkrad verreißt." Weil der Mensch eben länger als den Bruchteil einer Sekunde braucht, um eine durchdachte Entscheidung zu treffen, anstatt instinktiv zu reagieren.

Noch darf die Entscheidung über Leben und Tod rein rechtlich keiner Maschine überlassen werden. Wenn es mit dem autonomen Fahren ernst werden soll, muss noch einiges geregelt werden.

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Hallo Niedersachsen | 24.03.2018 | 19:30 Uhr

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