Stand: 25.06.2013 16:07 Uhr

Audi versucht sich als Öko-Gas-Produzent

Es klingt, als hätten die Ingenieure von Audi den Stein der Weisen gefunden: Sie zaubern aus schädlichem Kohlendioxid, Wasser und überschüssigem Strom aus Windkraft- und Solaranlagen hochwertiges Erdgas. Unter dem Begriff Audi e-Gas Project hat der Autobauer am Dienstag die weltweit erste Gasproduktionsanlage dieser Technologie im emsländischen Werlte in Betrieb genommen.

Prinzip ist schon lange bekannt

Das Prinzip, aus Strom, Wasser und Kohlendioxid mittels Elektrolyse und einer chemischen Reaktion Wasserstoff und Methan zu gewinnen, ist seit Jahrzehnten bekannt. Doch aus unterschiedlichsten Gründen wurde diese Technologie nie ernsthaft entwickelt. Die Rahmenbedingungen hätten einfach nicht gestimmt, sagte Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes UBA. "Wir haben geglaubt, dass wir in einer Zeit endloser fossiler Energien leben." Mit der Energiewende gebe es nun zu bestimmten Zeiten sehr günstigen Strom, der zur Gasproduktion genutzt werden könne.

"Nächster Schritt: flüssige Kraftstoffe"

Das in Werlte gewonnene Gas hat nach Audi-Angaben normale Erdgas-Qualität. Rund 1.000 Tonnen könnten jährlich in das Netz des regionalen Versorgers EWE eingespeist werden. Damit ließen sich 1.500 Kompaktautos pro Jahr jeweils 15.000 Kilometer weit bewegen. UBA-Präsident Flasbarth denkt derweil schon weiter: Für den Flugverkehr müssten die Ingenieure dann einen Schritt weiter gehen und flüssige Kraftstoffe herzustellen. "Das alles wird erforderlich sein, um einen klimaverträglichen Verkehr zu organisieren", so Flasbarth.

Alles bloß Reklame?

Es gibt noch eine weitere Dimension in dieser Technologie: Sie ermöglicht, Strom aus regenerativen Quellen effektiv zu speichern und doch jederzeit wieder abrufbar zu machen. "Das ist keine Brückentechnologie, das ist echte Zukunft", sagte Flasbarth. "Ich glaube, das wird ein langfristig angelegter Baustein einer Energie- und Verkehrswende sein." Automobilfachleute wie der Duisburger Forscher Ferdinand Dudenhöfer hingegen sehen in der Anlage nicht mehr als einen Marketing-Gag. Audi wolle davon ablenken, dass tatsächliche Innovationen verschlafen wurden. Energieproduktion gehöre nun mal nicht zu den Kernkompetenzen eines Autobauers.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 25.06.2013 | 17:00 Uhr

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