Stand: 15.08.2019 14:39 Uhr

Asylsuchende ausbilden - damit sie freiwillig gehen

Bei Asylbewerbern, die kein Bleiberecht in Deutschland erhalten, setzt Niedersachsen auch auf die freiwillige Rückkehr ins Heimatland. Um die Motivation hierfür zu erhöhen, will das Land den Menschen einen Neustart erleichtern: Asylbewerber mit geringer Bleibeperspektive werden in handwerklichen Berufen qualifiziert. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) des Bundes finanziert das Projekt mit 900.000 Euro. Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat am Donnerstag eine Halbzeitbilanz gezogen.

Kurz-Ausbildung: Drei Monate Friseur, Maler oder Tischler

In den Werkstätten der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim lernen Geflüchtete in diesem Projekt der Landesaufnahmebehörde die Tätigkeiten von Friseuren, Tischlern, Malern oder Fliesenlegern kennen. Drei Monate dauert ein Kurs, gerade hat der dritte begonnen. Die Qualifizierungskurse gäben den Teilnehmenden auch eine Tagesstruktur, sagte Jens Grote, Präsident der Landesaufnahmebehörde. Das könne möglichen Konflikten vorbeugen, die durch Perspektivlosigkeit und fehlende Beschäftigung ausgelöst würden.

Ein Drittel ging freiwillig zurück ins Heimatland

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Das Angebot richtet sich dem Land zufolge vor allem an Menschen aus dem Maghreb, dem Westbalkan sowie aus Nigeria, Ghana, Senegal und Gambia. (Themenbild)

Seit Jahresanfang haben den Angaben zufolge 30 Menschen teilgenommen, 21 haben ihren Kurs erfolgreich mit einem Zertifikat abgeschlossen. Zehn entschieden sich am Ende für die freiwillige Rückkehr in ihr Heimatland - sie kamen aus nord- und westafrikanischen Staaten sowie Westbalkan-Ländern. An diese ist das Pilotprojekt nach Angaben des Landes in erster Linie gerichtet. Die GIZ hilft laut Pistorius auch bei der Jobsuche im Ursprungsland und begleitet die Menschen nach ihrer Rückkehr weiter.

Humane Migrationspolitik - oder Druck auf Asylsuchende?

Pistorius sieht in dem Qualifizierungsprojekt einen Baustein humaner Migrationspolitik. Es sei menschlich besser und finanziell günstiger, als die Menschen abzuschieben. Das Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge "Exil" übt hingegen Kritik: Schon vor Abschluss ihres Asylverfahrens werde den Teilnehmern die freiwillige Rückkehr nahegelegt. Dabei entscheide sich bei manchen erst im Gerichtsverfahren, ob sie in Deutschland bleiben können oder nicht, so Geschäftsführerin Sara Höweler.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.08.2019 | 12:00 Uhr

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