Stand: 08.07.2019 14:56 Uhr

2.000 Jahre alter Bohlenweg wird ausgegraben

Personen führen eine archäologische Ausgrabung zur Freilegung eines Bohlenwegs durch.  Foto: Dr. Marion Heumüller
Wessen Füße beschritten wohl diese Hölzer? Aus der Zeit um 50 vor Christus stammen die Bohlen für diesen Weg im Moor zwischen Lohne und Diepholz.

Mitten durchs Moor verläuft der Weg, über den 2.000 Jahre lang niemand gegangen ist. Er besteht aus Holzbohlen, hintereinandergelegt auf einer Länge von vier Kilometern zwischen Lohne und Diepholz. Nur etwa 20 Wege dieser Art sind bekannt. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse aus der Zeit um etwa 50 vor Christus. Deswegen will das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege in den kommenden drei Jahren rund 500 Meter ausgraben und untersuchen.

Funde erzählen von der Zeit um 50 v. Chr.

Dass es diesen Bohlenweg zwischen Lohne und Diepholz gibt, wisse man schon seit gut 100 Jahren - aber erst jetzt gebe es endlich Fördergelder, um den Weg zu untersuchen, sagte Marion Heumüller vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Bohlenwege waren damals für die Menschen die einzige Möglichkeit, die Moore mit einer gewissen Sicherheit zu betreten und zu überqueren. Dank bislang gemachter Funde - unter anderem Räder unterschiedlicher Konstruktionsweise, Reste von Woll- und Lederbekleidung und Holzwerkzeuge - erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über das Leben vor 2.000 Jahren. Neben einer genauen Datierung und der Bestimmung von Bau- und Reparaturphasen ermöglichen Analysen des Holzes zudem Aussagen zum Waldbestand, zur Umwelt und zur Waldwirtschaft aus jener Zeit. Insgesamt 700.000 Euro kostet das Projekt. Damit sollen bis 2022 die Holzbohlen freigelegt und mit modernster 3D-Technik dokumentiert werden.

Bohlenweg wird rekonstruiert

Als Denkmal kann der Bohlenweg danach allerdings nicht erhalten werden - zumindest nicht im Originalzustand direkt vor Ort. Denn er liegt in einem Torfabbaugebiet, das wieder vernässt werden soll. In der Nähe soll der Weg aber auf einer Strecke von einem Kilometer rekonstruiert werden. Auf Schautafeln können Besucher dann etwas über seine Geschichte erfahren und von einer Aussichtsplattform ein Stück natürliches Moor überblicken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 08.07.2019 | 17:00 Uhr

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