Stand: 04.12.2019 08:00 Uhr

Wilhelmshaven: Umwelthilfe will LNG-Pläne stoppen

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven soll laut den Plänen in der Außenjade entstehen.

Verflüssigtes Erdgas, in Fachkreisen als Liquid Natural Gas oder LNG bekannt, soll dazu beitragen, die Energieversorgung in Deutschland zu sichern. An drei Standorten an der Nordseeküste gibt es bereits Pläne für den Bau von LNG-Import-Terminals. Einer davon ist Wilhelmshaven. Doch während die Hafen-Wirtschaftsvereinigung von den Plänen begeistert ist, hält die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das avisierte Projekt für zu gefährlich und deshalb für nicht genehmigungsfähig. Das Rechtsgutachten liegt NDR Niedersachsen vor. Demnach fällt das LNG-Terminal unter die Kategorie Störfallbetrieb, für den besondere Auflagen gelten. Denn ein größerer Austritt von LNG über Wasser führt zu Verdampfung, in deren Folge sich eine entzündbare Wolke bildet. Darüber hinaus ist das Gas explosiv. Die DUH schließt eine Klage nicht aus.

Eine Brücke, an dessen Erweiterung ein LNG-Terminal entstehen soll

Umwelthilfe will LNG-Terminal verhindern

Hallo Niedersachsen -

Das angedachte Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven sorgt bei der Hafenwirtschaft für Euphorie. Doch die Deutsche Umwelthilfe ist der Ansicht, dass es gegen das Störfallrecht verstößt.

2,71 bei 7 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Schwimmendes Gasterminal in der Außenjade

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven ist in der Außenjade geplant, etwa anderthalb Kilometer vom Ufer entfernt. In der Fachsprache wird es als Floating Storage and Regasification Unit (FSRU) bezeichnet. Dabei handelt es sich im Prinzip um ein Tankschiff, das zu einem schwimmenden Gaslager umfunktioniert wird. Es soll das flüssige Erdgas, das unter anderem aus dem Wüstenstaat Katar geliefert werden soll, von den Gastankern übernehmen, an Bord verdampfen und über eine Rohrleitung an Land pumpen. Von dort aus soll es dann über Pipelines in ganz Deutschland verteilt werden.

Videos
03:35
Hallo Niedersachsen

Muss Privatgarten einer LNG-Pipeline weichen?

04.10.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Sollte Wilhelmshaven neuer Standort für ein LNG-Terminal werden, würde die Gas-Pipeline direkt durch den Garten der Hillmanns laufen. Die haben dabei offenbar kein Mitspracherecht. Video (03:35 min)

Problem: Sturmfluten und Nähe zum Wattenmeer

Die DUH sieht aber gerade an der Küste große Probleme für ein LNG-Terminal. Die Berliner Rechtsanwältin Cornelia Ziehm, die das Gutachten für die Umwelthilfe verfasst hat, argumentiert mit dem Anstieg des Meeresspiegels durch den Klimawandel, mit extremen Sturmfluten und mit der Nähe zum Nationalpark Wattenmeer. Außerdem kritisiert sie die für das Terminal notwendigen Baggerarbeiten in der Jade. Dass die Deutsche Umwelthilfe für massiven Ärger sorgen kann, hat sie bereits in der Feinstaub-Debatte bewiesen, indem sie in vielen deutschen Innenstädten Dieselfahrverbote erwirkte. Auch das schleswig-holsteinische Brunsbüttel, das ebenfalls als möglicher Standort für ein deutsches LNG-Terminal in der Diskussion steht, musste aufgrund der DUH-Kritik schon nachbessern. Über den tatsächlichen Standort ist allerdings noch gar nicht entschieden. Neben Wilhelmshaven und Brunsbüttel ist auch Stade im Rennen.

Wilhelmshaven hofft auf wirtschaftlichen Aufschwung

In Wilhelmshaven hofft man, dass ein LNG-Terminal die lang anhaltende wirtschaftliche Flaute beenden könnte. Die Arbeitslosigkeit in der Jadestadt ist hoch, die Marine hat viele Stellen gestrichen. Auch der Umschlag am JadeWeserPort, dessen rasante Zuwachszahlen kurzzeitig für Optimismus gesorgt hatten, ist schon wieder rückläufig. Und so ist die LNG-Begeisterung bei der Wilhelmshavener Hafen-Wirtschaftsvereinigung groß. Präsident John Niemann wird nicht müde, Wilhelmshavens Vorzüge für ein solches Terminal zu schildern: "Das tiefe Fahrwasser haben nur wir, die Seetransportkette ist einzigartig und das Wendebecken groß genug für die Schiffe, die das LNG an der Nordseeküste löschen sollen." Daran ändere auch das Rechtsgutachten der Deutschen Umwelthilfe nichts. Dies sei "hanebüchen", so Niemann.

Terminal in der Nähe von Vogelschutzgebiet geplant

Ulrich Meyerholt, Umweltrechtler an der Universität Oldenburg, sieht in dem Rechtsgutachten aber durchaus das Potenzial, das Projekt zu verzögern. Er verweist vor allem auf die Nähe zu einem von der EU ausgewiesenen Vogelschutzgebiet. Weil das Terminal zudem von einem privaten Investor betrieben werden soll, liege die Hürde für eine Genehmigung noch höher. Je länger sich die Dauer der Genehmigung hinziehe, desto unwahrscheinlicher werde der Bau des LNG-Terminals, sagen Experten. Denn die Zeit laufe gegen fossile Energieträger wie LNG. Dagegen werde die Erforschung der Wasserstofftechnik zunehmend interessant. Auch das führt die Deutsche Umwelthilfe als Argument gegen das Terminal ins Feld.

Weitere Informationen

Brunsbüttel: DUH droht mit Klage gegen LNG-Terminal

Die Deutsche Umwelthilfe warnt vor dem geplanten Flüssigerdgasterminal in Brunsbüttel - und droht mit Klage. Das sorgt für Diskussionen auf der Nationalen Maritimen Konferenz. (24.05.2019) mehr

Flüssig-Erdgas: Althusmann für Standort-Kooperation

Bei der Standortauswahl für LNG-Terminals hat Niedersachsens Wirtschaftsminister Althusmann (CDU) eine Zusammenarbeit angeregt. Bislang konkurrieren Wilhelmshaven und Stade. (12.02.2019) mehr

Stade: Erste LNG-Lieferung schon 2021?

Die Stader LNG-Projektgesellschaft und der Chemiekonzern Dow haben Details zum Bau eines Flüssiggas-Terminals genannt. Die ersten Tankschiffe könnten demnach 2021 anlegen. (31.01.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.12.2019 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:23
Hallo Niedersachsen
01:35
Hallo Niedersachsen