Schweine hängen kopfüber in einem Schlachthof. Daneben ein Mitarbeiter mit Messer. © picture-alliance/dpa Foto: Ingo Wagner

Werkvertrags-Aus: Gewerkschaft zieht positive Zwischenbilanz

Stand: 29.04.2021 15:10 Uhr

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat nach dem Aus für die Werkvertrags- und Leiharbeit in den Schlachthöfen und Zerlegebetrieben eine positive Zwischenbilanz gezogen.

"Das Verbot ist ein riesiger Erfolg für die Menschen", sagte der NGG-Geschäftsführer in der Region Oldenburg-Ostfriesland, Matthias Brümmer. Bis auf sehr wenige Ausnahmen seien alle früheren Werkvertrags- und Leiharbeiter fest von den Betrieben angestellt worden. "Dafür hat die Gewerkschaft 20 Jahre lang gekämpft", sagte er mit Blick auf den Tag der Arbeit am 1. Mai. Die Werkverträge waren Ende 2020 verboten worden.

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Doch damit ende der Jubel auch schon, räumte Brümmer ein. "Gerne hätten wir das Verbot in allen Branchen erhalten - es gilt aber nur in der Schlacht- und Zerlegeindustrie." Insbesondere in der weiterverarbeitenden Obst- und Gemüsewirtschaft gebe es weiterhin Werkverträge und Leiharbeit zu indiskutablen Löhnen. In der Fleischindustrie gebe es unterdessen in Einzelfällen Versuche, das Verbot zu unterlaufen. Das betrifft laut Brümmer beispielsweise die Weiterverarbeitung von Innereien und Därmen für Wurstwaren oder zu Vorprodukten für die kosmetische Industrie.

Produzenten von vegetarischen Produkten ausgeklammert

Der Gewerkschafter ärgert sich vor allem über Grauzonen bei Betrieben, die sich auf vegetarische Produkte spezialisierten. Namhafte Unternehmen produzierten mit Ersatzstoffen fleischfreie Wurst und fielen damit nicht direkt unter das Verbot. "Für mich ist eine Wurst eine Wurst, egal ob mit Fleisch oder pflanzlichem Inhalt", betonte Brümmer. Es gehe vielen Unternehmen weiterhin darum, die Löhne niedrig und die Gewinne hochzuhalten.

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Gewerkschaft fordert steigende Löhne

Mit den Festanstellungen habe sich die Bezahlung nicht erhöht. Erst vor wenigen Tagen sind die Verhandlungen über einen Branchentarifvertrag laut Brümmer gescheitert, weil die Arbeitgeber nicht mehr als 10,50 Euro zahlen wollten, einen Euro mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Derartige Niedriglöhne beträfen etwa 50 bis 70 Prozent der Beschäftigten. Die Gewerkschaft fordere für un- und angelernte Arbeiter eine Lohnuntergrenze von 12,50 Euro, später steigend auf 14 Euro. Gelernte Fachkräfte sollten 17 Euro pro Stunde erhalten.

Osteuropäer massiv unter Druck?

Kritisch bewertet die NGG auch die Situation der zumeist aus Osteuropa stammenden Mitarbeiter. Deren Lage habe sich nicht verbessert. Etliche der ehemaligen Subunternehmer seien nun als Berater in der Fleischindustrie tätig. Er selbst habe beobachtet, wie diese streikende Mitarbeiter massiv unter Druck gesetzt hätten, sagte Brümmer: "Die Männer sind mit angstverzerrten Gesichtern in den Betrieb gelaufen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.04.2021 | 16:00 Uhr

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