Stand: 11.06.2019 13:21 Uhr

War es Mord? Vergewaltiger erneut vor Gericht

Das Schild des Maßregelvollzugszentrum Niedersachsens vor dem Gebäude. © dpa Bildfunk Foto: Holger Hollemann
Der Angeklagte befand sich im Maßregelvollzug, als er die 23-Jährige im Landkreis Nienburg tötete.

Am Landgericht Verden wird der Prozess gegen einen verurteilten Vergewaltiger neu aufgerollt. Vor zwei Jahren war er bereits wegen Totschlags zu elfeinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Das Gericht hatte es als erwiesen angesehen, dass der damalige Patient des Maßregelvollzugs bei einem unbegleiteten Ausgang eine 23-Jährige im Klosterwald bei Rehburg-Loccum (Landkreis Nienburg) getötet hatte. Ein Mordmotiv erkannten die Richter jedoch nicht. Deshalb zogen Angehörige der Getöten vor den Bundesgerichtshof (BGH): Sie pochten auf eine Verurteilung wegen Mordes. Die Richter in Karlsruhe befanden, dass die Beweiswürdigung des Landgerichts Verden lückenhaft war. Nun wird der Prozess ab dem 24. Juni neu verhandelt. Dieses Mal geht es um Mord.

Tat ereignete sich während eines unbegleiteten Ausgangs

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft traf der heute 51-jährige Angeklagte am 12. September 2016 im Klosterwald auf sein späteres Opfer. Zu diesem Zeitpunkt war er Patient des Maßregelvollzugs und hatte unbegleiteten Ausgang. Laut Staatsanwaltschaft überfiel er die 23-Jährige sogleich und brachte sie zu Boden. Dann soll er die Frau entkleidet, an den Oberarmen fixiert, auf den Waldboden gedrückt und gewürgt haben, um sich sexuell zu stimulieren. Die 23-Jährige starb nach Angaben der Staatsanwaltschaft an den Folgen des Würgens.

BGH: Typisches Vorgehen des Angeklagten nicht berücksichtigt

In der ersten Verhandlung war das Landgericht Verden zugunsten des Angeklagten von freiwilligem Sex ausgegangen und davon, dass er sein Opfer aus unklarem Motiv erwürgte. Die Richter am BGH rügten das Landgericht dafür, dass es dabei nicht das typische Vorgehen des Angeklagten berücksichtigt hatte. Er war zuvor bereits wegen mehrerer Sexualdelikte verurteilt worden. In drei Fällen hatte er seine Opfer, die er zufällig ausgewählt hatte, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt, um sich dann an ihnen zu vergehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.06.2019 | 12:00 Uhr

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