Vor dem Eingang eines Gebäudes steht ein Schild mit der Aufschrift Landgericht Oldenburg. © NDR Foto: Julius Matuschik

Vernachlässigter Vater: Bewährungsstrafe für Sohn

Stand: 17.11.2020 15:04 Uhr

Das Landgericht Oldenburg hat einen 44-jährigen Mann zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Nach Ansicht des Gerichts ist er für den Tod seines pflegebedürftigen Vaters verantwortlich.

Der 75-Jährige war 2007 nach mehreren Schlaganfällen bettlägerig geworden. Sein damals 31 Jahre alter Sohn übernahm daraufhin die Pflege - 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Laut Gericht war der Delmenhorster mit dieser Aufgabe überfordert. Der Zustand verschlechterte sich, Gutachter sprachen während des Prozesses von einer desaströsen Lage, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Der Vater starb schließlich 2015 an einer Sepsis. Als ihn Rettungskräfte in seiner Wohnung fanden, war der Mann vollkommen vernachlässigt. Unter anderem war seine Kopfhaut mit dem Kopfkissen verwachsen. Laut Gericht hatte der Sohn sich weder um die Pflege seines Vaters noch um Arztbesuche gekümmert.

44-Jähriger litt unter psychischen Erkrankungen

Trotzdem waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidiger und das Gericht einig, dass der Sohn seinen Vater nicht vorsätzlich töten wollte. Er hatte die komplette Pflege Tag und Nacht allein gestemmt, sich laut Staatsanwaltschaft auch aufgeopfert, irgendwann sei er überlastet gewesen, litt unter Burnout, einer Persönlichkeits- und Angststörung. In dem Fall gebe es nur Verlierer, so die Staatsanwaltschaft. "Das Opfer hat sein Leben verloren und der Sohn seinen geliebten Vater."

Verfahren gegen Anwalt gegen Geldauflage eingestellt.

Angeklagt war auch ein Rechtsanwalt, der als Betreuer für den bettlägerigen Mann eingesetzt worden war. Dieses Verfahren gegen den Delmenhorster Juristen wurde gegen eine Geldauflage eingestellt. Er hatte immer beteuert, nichts von den desaströsen Umständen mitbekommen zu haben. Denn der Sohn hatte Besuche nur nach Absprache erlaubt, hatte dann das Zimmer mit Raumduft geflutet und die Bettdecke bis zum Hals des Vaters hochgezogen. Dass der Anwalt nichts mitbekommen haben will, glaubte die Kammer nur zum Teil. Deshalb verhängte die Kammer auch eine Strafe und keinen Freispruch, wie von seinem Verteidiger gefordert.

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Blick auf den Lappan, das Wahrzeichen der Stadt Oldenburg. © NDR Foto: Julius Matuschik
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Niedersachsen 18.00 | 17.11.2020 | 18:00 Uhr

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