Stand: 15.05.2018 18:47 Uhr

Vechta: Gemeinden "vergessen" Ausgleichsflächen

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Rund um Vechta werden die vorgeschriebenen Ausgleichsflächen für Baugebiete offenbar häufiger ignoriert.

Wenn Städte und Gemeinden Baugebiete ausweisen, muss in der Regel ein Stück Natur weichen. Im Gegenzug sind die Kommunen dazu verpflichtet, an anderer Stelle einen Ersatz in Form sogenannter Ausgleichsflächen zu schaffen. So steht es zumindest im Bundesnaturschutzgesetz. Im Landkreis Vechta scheinen einige Orte diese Regelung gerne mal zu ignorieren - wie aus einer aktuellen Antwort der niedersächsischen Landesregierung hervorgeht.

19 Fälle allein in der Gemeinde Visbek 

Wie das Umweltministerium NDR 1 Niedersachsen mitteilte, haben Städte und Gemeinden im Landkreis Vechta allein in den vergangenen sieben Jahren in 43 Fällen keine Ausgleichsflächen geschaffen, obwohl sie dazu verpflichtet sind. Spitzenreiter ist dabei die Gemeinde Visbek: Sie hat sich diesen Aufwand gleich 19-mal gespart. Für Ludger Frye vom Naturschutzbund (NABU) im Landkreis Vechta ist diese Praxis "ein Betrug an der Natur und der Öffentlichkeit".

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Grüne fordern Kataster

Ähnlich sieht es auch der frühere Landwirtschaftsminister Christian Meyer von den Grünen. Er vermutet, dass die jetzt genannten Verstöße keine Einzelfälle sind. Ein Grund für das Problem ist die Flächenknappheit in Südoldenburg: Die Landwirte brauchen sie unter anderem, um die Gülle aus den Viehställen auszubringen. Ausgleichsfällen sind hier deshalb besonders teuer. Die niedersächsischen Grünen fordern nun ein Kataster, um die Flächen dauerhaft kontrollieren zu können. Die Landesregierung sieht hierfür aber keinen Bedarf.

Landkreis will Defizite aufarbeiten

Betroffene Gemeinden betonten, sie hätten die Umweltauflagen teils deshalb noch nicht umgesetzt, weil die Bauprojekte noch nicht abgeschlossen seien. Deshalb fehlten zum Teil auch die Mittel für den Öko-Ausgleich. Die Kreisverwaltung in Vechta kündigte an, zusammen mit den betroffenen Städten und Gemeinde alle Defizite bis zum Jahresende aufzuarbeiten. Das gelte allerdings nur für Projekte der vergangenen sieben Jahre. Der NABU fordert hingegen, auch frühere Projekte zu überprüfen und gegebenenfalls verlorene Naturgebiete nachträglich auszugleichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 15.05.2018 | 17:00 Uhr

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