Eine Kellnerin mit drei Tellern geht durch ein Lokal. © fotolia.com Foto: MNStudio

Und das zur Hauptsaison: Akuter Personalmangel an der Küste

Stand: 03.07.2021 08:43 Uhr

Mit Beginn der Sommerferien in NRW dürfte es auch an den Ausflugszielen in Niedersachsen voller werden - etwa an der Küste. Dort mangelt es allerdings an Personal, auch als Folge von Corona.

Aus Unsicherheit und Sorge vor einem erneuten Lockdown seien im Frühjahr viele Arbeitsverträge für Hotels, Gaststätten, Imbisse und Strandläden nicht geschlossen worden, berichtet der NDR in Niedersachsen. Die Folge: Der Fachkräftemangel hat sich weiter verschärft. Aktuell fehlen den Betrieben nach eigenen Angaben rund 30 Prozent der Mitarbeitenden auf dem Festland, auf den Inseln sollen es sogar 50 Prozent sein.

Ruhetage in der Hauptsaison

Es gebe nicht einen Kollegen von Schillig bis Dangast, der nicht gerade Mitarbeiter sucht, sagte Olaf Stamsen, Dehoga-Sprecher in Wilhelmshaven. Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband zufolge fehlen besonders Köche, Zimmermädchen sowie Kellnerinnen und Kellner. Stamsen bräuchte allein für seine drei Hotels am Südstrand mehr als 20 weitere Mitarbeiter. Er will deshalb - mitten in der Hauptsaison - in seinen Hotels Ruhetage einführen, an denen die Küche kalt bleibt. Dies sei zum ersten Mal seit 33 Jahren, so Stamsen.

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Mitarbeitende in andere Branchen abgewandert

Auch auf den Ostfriesischen Inseln sind Fachkräfte in dieser Hauptsaison Mangelware. Einen Personalmangel in diesem Ausmaß habe sie noch erlebt, sagte Hoteldirektorin Katja Rucard von der Insel Spiekeroog. Egal, mit wem sie unter ihren Kollegen spricht, alle würden noch Service- und Reinigungskräfte suchen. Auf den Nachbarinseln sei die Situation nicht besser, so Rucard. Auch dort seien Mitarbeiter nach dem langen Lockdown in andere Branchen abgewandert oder arbeiteten inzwischen in Bayern oder anderen Bundesländern, auch weil Wohnraum auf den Ostfriesischen Inseln kaum noch bezahlbar ist.

Zeitdruck durch Öffnungsstrategie?

Mario Krar, Geschäftsführer eines Hotels in Horumersiel (Landkreis Friesland), sieht auch die kurzfristigen Entscheidungen der Politik in der Corona-Krise als eine Ursache. Die sehr spontane Öffnungsstrategie der Landesregierung habe die Hotels unter Zeitdruck gesetzt. Viele Kollegen konnten in der Kürze gar nicht so schnell Mitarbeiter einstellen, so Krar.

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Hotelier: Auf das Kerngeschäft konzentrieren

Darüber hinaus habe sich der Fachkräftemangel zugespitzt. Man könne in der Gastronomie nicht nur mit Hilfskräften arbeiten, sondern es braucht eben den gelernten Koch, sagte Krar. In der Folge werden Abstriche bei zusätzlichen Angeboten gemacht: Die Seesterne Kooperation, deren Sprecher Krar ist, muss deshalb auch das beliebte Schollenbraten im Watt absagen. Wir müssen uns dieses Jahr auf das Kerngeschäft, unsere Betriebe konzentrieren, so der Hotelier.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.07.2021 | 09:00 Uhr

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