Stand: 23.08.2016 14:29 Uhr

Von wegen nur Tourismus - Wattenmeer bleibt Streitpunkt

von Oliver Gressieker
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Das Umweltministerium sieht in Tourismus und Naturschutz im Nationalpark Wattenmeer keinen Widerspruch. (Themenbild)

Im Nationalpark Wattenmeer geht es nur um Tourismus, der Naturschutz dagegen ist zweitrangig: Diesen Vorwurf hat der Sprecher des Wattenrats, Manfred Knake, im Interview mit NDR.de erhoben. Das niedersächsische Umweltministerium hat diese Kritik jetzt zurückgewiesen. "Diese Aussage ist nicht haltbar", sagte Ministeriumssprecherin Justina Lethen gegenüber NDR.de. Es werde sehr wohl darauf geachtet, nachhaltigen Tourismus zu etablieren. Die Nutzung müsse dabei nicht zwangsläufig im Widerspruch zum Schutzzweck des Nationalparks stehen. "Insgesamt findet eine sorgfältige Abwägung statt, wobei stets der dauerhafte Schutz und Erhalt des Lebensraumes gewährleistet sein muss", so Lethen.

"Natur hat sich prächtig entwickelt"

Nach Ansicht der Sprecherin kann die Zeit seit der Einführung des Nationalparks im Jahr 1986 zweifellos als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. "Die Natur hat sich in diesen 30 Jahren prächtig entwickelt und auch das Bewusstsein für das Gebiet ist gewachsen", so Lethen. Sie verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf die Nationalparkhäuser und -zentren, in denen sich Besucher über das Weltnaturerbe informieren können.

Ministerium sieht keinen Nachbesserungsbedarf

Auch Knakes Kritik an der Fischerei, der zehntägigen Jagd im Nationalpark und den Kitesurfzonen widerspricht das Ministerium. Es gebe zwar keine offiziellen fischereifreien Zonen im Wattenmeer, sagte Lethen. Doch aufgrund der geringen Wassertiefe sei das Fischen in weiten Teilen des Wattenmeers ohnehin nicht möglich. "Außerdem sind bestimmte Nutzungen wie die Herzmuschelfischerei aufgrund der schädigenden Wirkung bereits seit vielen Jahren verboten", so die Sprecherin. Die Jagd an zehn Tagen im Jahr wiederum sei notwendig, um den Wildbestand zu reduzieren. Auch in Sachen Kitesurfen sieht Lethen keinen Handlungsbedarf. Die Regelung mit 17 ausgewiesenen Zonen habe sich auch aus der Sicht der meisten Gemeinden und Kurverwaltungen bewährt.

Nordsee GmbH warnt vor einseitiger Wahrnehmung

Die Nordsee GmbH, die für das Marketing der Ostfriesischen Inseln und der niedersächsischen Küste verantwortlich ist, hält die Kritik von Wattenrat-Sprecher Knake ebenfalls für überzogen. "Wir tun gut daran, diese Einschätzungen ernst zu nehmen. Das heißt aber nicht, dass wir seine Meinung ausnahmslos teilen", sagte Sprecherin Katja Benke gegenüber NDR.de. Sie appellierte an den Naturschützer, sich auch mal mit den Interessen des "Nachbarn" zu beschäftigen, anstatt immer nur auf die sehr fokussierte, eigene Wahrnehmung zu setzen.

"Kompromisse sind unumgänglich"

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Die Kitesurfer im Nationalpark sind vielen Naturschützern ein Dorn im Auge. (Themenbild)

Verhalten reagierte Benke auf Knakes Vorschlag, zusätzlich zur Kurtaxe eine Naturschutzabgabe einzuführen. "Der Verwaltungsaufwand wäre sicherlich enorm", sagte sie. "Abgesehen davon wäre die wichtigste Voraussetzung die Bereitschaft der Gäste, diese zusätzlichen Kosten zu tragen. Die Einführung einer solchen Abgabe läge jedoch bei den einzelnen Gemeinden. Eine weitere Reglementierung des Kitesurfens hält sie nicht für notwendig. Sowohl Einheimische als auch Gäste würden die Wassersportmöglichkeiten entlang der Küste schätzen und die Surf- und Kitesurfschulen für die Einhaltung der Regeln sorgen. "Mensch und Natur teilen sich diesen Lebensraum. Kompromisse sind daher unumgänglich", so Benke.

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Hallo Niedersachsen | 25.08.2016 | 19:30 Uhr

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